Handyspiele: Kinder vor ungeeigneten Inhalten und Risiken schützen

Handyspiele sind bei Kindern und Jugendlichen beliebt, bringen aber auch verschiedene Risiken mit sich. Ungeeignete Inhalte, In-App-Käufe oder der Kontakt mit Fremden können dabei problematisch sein. Mit einfachen Maßnahmen können Eltern Kinder dabei unterstützen, sicherer mit Handyspielen umzugehen.

Symbolbild: Kind mit Smartphone, belastende Inhalte
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Kinder und Jugendliche spielen schon seit langer Zeit gerne Spiele am Handy. Die Möglichkeiten haben sich in den letzten Jahren jedoch stark verändert. Früher waren auf Handys meist nur einige wenige Spiele vorinstalliert. Heute stehen Millionen von Apps mit unterschiedlichen Themen und Funktionen zur Verfügung und können innerhalb weniger Klicks heruntergeladen werden. Dadurch ergeben sich auch neue Risiken, die besonders für Kinder und Jugendliche relevant sein können.

Gefährliche Inhalte

Beim Herunterladen von Spielen sind Kinder häufig auf sich selbst angewiesen und werden dabei nicht immer ausreichend begleitet. Spiele können sich außerdem schnell im Freundeskreis oder in der Schule verbreiten. Dadurch kann es vorkommen, dass Kinder auf Spiele aufmerksam werden, die Inhalte enthalten, die für ihr Alter nicht geeignet sind. Nur weil eine Anwendung als „Spiel“ in einem App-Store angeboten wird, bedeutet das nicht automatisch, dass sie für Kinder jeden Alters geeignet ist. Auch Altersfreigaben und Altersempfehlungen bieten zwar eine wichtige Orientierung, können aber nicht in jedem Fall verhindern, dass Kinder auf ungeeignete Inhalte zugreifen.

Ein weiteres Problem kann Werbung innerhalb von Spielen darstellen. Teilweise werden dabei bewusst dramatische oder verstörende Szenen gezeigt, um Aufmerksamkeit zu erregen und Nutzerinnen und Nutzer zum Herunterladen eines weiteren Spiels oder einer App zu bewegen. Beispielsweise kann eine Werbung eine Familie in einer schwierigen Situation zeigen und dazu auffordern, eine Figur durch das Anklicken eines Buttons zu „retten“. Solche Werbungen können besonders auf Kinder ansprechend wirken, da sie die gezeigten Situationen möglicherweise noch nicht als gezielte Werbung erkennen. Häufig entspricht das beworbene Spiel außerdem nicht dem, was in der Werbung dargestellt wird. Die gezeigte Szene dient dann hauptsächlich dazu, Interesse zu wecken und einen Download zu erreichen.

Manipulation und In-App-Käufe

Viele Spiele bieten zusätzliche Inhalte oder Vorteile an, die innerhalb der Anwendung gekauft werden können. Um Nutzerinnen und Nutzer zu solchen Käufen zu bewegen, können verschiedene Gestaltungsmethoden eingesetzt werden. Diese richten sich nicht ausschließlich an Kinder, für jüngere Nutzerinnen und Nutzer können solche Mechanismen jedoch besonders schwer zu erkennen sein. Kinder haben möglicherweise noch weniger Erfahrung mit Verkaufstechniken, dem Wert von Geld und manipulativer Werbung. Dadurch kann es für sie schwieriger sein, zu erkennen, wann eine Entscheidung im Spiel gezielt beeinflusst wird.

Eine Möglichkeit dafür sind sogenannte „Dark Patterns“. Dabei handelt es sich um Gestaltungsmethoden, die Nutzerinnen und Nutzer zu bestimmten Handlungen bewegen oder ihnen eine Entscheidung erschweren können. In Handyspielen können beispielsweise folgende Methoden vorkommen:

  • Zeitdruck und Verknappung: Ein Countdown läuft ab oder es wird angezeigt, dass ein Angebot „nur noch heute“ verfügbar ist.
  • Zufällige Gewinne: Bei Glücksrädern oder ähnlichen Mechanismen ist vorher nicht bekannt, welchen Gewinn man erhält. Solche Systeme können Elemente enthalten, die an Glücksspiel erinnern.
  • Pay-to-win und Kaufanreize: Im Spiel können beispielsweise zusätzliche Vorteile angeboten werden, die den Spielfortschritt erleichtern. In manchen Spielen können bestimmte Situationen außerdem dazu führen, dass ein Kauf besonders attraktiv erscheint.

Eine Studie von SBA Research hat sich ebenfalls mit Dark Patterns in Handyspielen beschäftigt. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Gestaltungsmethoden mit einem längeren und häufigeren Spielen in Zusammenhang stehen können. Besonders relevant ist dies bei Kindern und Jugendlichen, da sie solche Mechanismen möglicherweise noch nicht vollständig erkennen und ihre Nutzung schwerer selbst regulieren können.

Hinweis

Wie Dark Patterns funktionieren und wie sie Nutzerinnen und Nutzer gezielt beeinflussen können, erfahren Sie im Beitrag „Dark Patterns: Manipulation im Online-Alltag vermeiden“.

Gefahr durch Dritte

Viele Handyspiele verfügen mittlerweile über soziale Funktionen. Nutzerinnen und Nutzer können beispielsweise miteinander chatten, Nachrichten austauschen oder gemeinsam spielen. Dadurch können Kinder und Jugendliche auch mit Personen in Kontakt kommen, die sie außerhalb des Spiels nicht kennen. Dabei besteht das Risiko, dass fremde Personen versuchen, Vertrauen aufzubauen oder Kinder zur Weitergabe persönlicher Informationen zu bewegen. Dazu können beispielsweise der vollständige Name, das Alter, die Telefonnummer oder die Adresse gehören.

Für Kinder kann es schwierig sein, die Absichten einer fremden Person richtig einzuschätzen. Durch das gemeinsame Spielen oder Chatten kann schnell ein Gefühl von Vertrautheit entstehen, obwohl die andere Person eigentlich unbekannt ist. Auch der Schutz persönlicher Daten spielt daher eine wichtige Rolle. Kinder wissen möglicherweise noch nicht, welche Informationen sie im Internet weitergeben sollten und welche besser privat bleiben. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist es deshalb wichtig, auf einen besonders sorgfältigen Umgang mit persönlichen Daten zu achten.

Abhängigkeit und problematische Nutzung

Ein weiterer Aspekt ist die Gefahr einer problematischen Nutzung von Handyspielen. Kinder und Jugendliche können Schwierigkeiten damit haben, ihre Spielzeit selbst einzuschätzen oder rechtzeitig aufzuhören. Mögliche Warnzeichen sind beispielsweise, wenn Schlaf, Schule, Freizeitaktivitäten oder soziale Kontakte zunehmend vernachlässigt werden.

Viele Spiele verwenden außerdem Funktionen wie tägliche Belohnungen, zeitlich begrenzte Angebote oder Fortschrittssysteme, die dazu anregen können, regelmäßig zurückzukehren. Ähnliche Mechanismen finden sich auch bei anderen digitalen Angeboten, beispielsweise bei sozialen Medien.

Maßnahmen zum Schutz

Um Kinder und Jugendliche vor möglichen Gefahren durch Handyspiele zu schützen, können Eltern verschiedene Maßnahmen setzen:

  • Altersfreigaben beachten: Vor dem Herunterladen sollte geprüft werden, für welches Alter das Spiel empfohlen wird. Auch die Beschreibung und Bewertungen des Spiels können bei der Einschätzung helfen.
  • Spiele gemeinsam auswählen: Eltern können sich gemeinsam mit ihren Kindern ansehen, welche Spiele sie verwenden möchten und welche Inhalte darin vorkommen.
  • In-App-Käufe einschränken: In-App-Käufe können deaktiviert oder mit einer zusätzlichen Bestätigung geschützt werden. Dadurch wird verhindert, dass Kinder unbeabsichtigt Geld ausgeben.
  • Über Werbung und Dark Patterns sprechen: Kinder sollten wissen, dass Angebote wie „nur noch heute“ oder zufällige Gewinne bewusst Aufmerksamkeit erzeugen können und ein Kauf nicht automatisch notwendig ist.
  • Kontakt mit Fremden erklären: Bei Spielen mit Chat- oder Kontaktfunktionen sollten Kinder wissen, dass sie fremden Personen im Internet nicht automatisch vertrauen können und persönliche Informationen nicht weitergeben sollten.
  • Persönliche Daten schützen: Kinder sollten lernen, welche Informationen sie im Internet nicht weitergeben sollten. Dazu gehören beispielsweise Adresse, Telefonnummer, Passwörter oder andere private Informationen.
  • Spielzeiten vereinbaren: Gemeinsame Regeln und feste Pausen können dabei helfen, die Nutzung im Alltag im Blick zu behalten.
  • Verhalten beobachten: Neben der reinen Spielzeit sollte auch darauf geachtet werden, ob das Spielen andere Bereiche des Alltags beeinflusst, beispielsweise Schlaf, Schule oder soziale Kontakte.
  • Im Gespräch bleiben: Technische Schutzmaßnahmen können helfen, ersetzen aber nicht die Aufklärung. Kinder sollten die Möglichkeit haben, über problematische Inhalte, Erlebnisse oder Kontakte im Spiel zu sprechen.
Hinweis

Wie Eltern Kinder und Jugendliche bei der sicheren Nutzung des Internets begleiten können, erfahren Sie im Beitrag „Kinder und Sicherheit im Internet: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schlechter“.

Letzte Aktualisierung: 29. September 2026

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria