Mit Medienkompetenz souverän durch die digitale Welt

Die Nutzung digitaler Medien ist aus modernen Gesellschaften nicht mehr wegzudenken, birgt allerdings auch verschiedene Gefahren. Der Erwerb von Medienkompetenz lehrt Kindern und Jugendlichen den Umgang mit digitalen Medien und ihren Risiken.

Gehackter Laptop
  Foto: Adobe Stock

Die Vielzahl heute zur Verfügung stehender Online-Medien bietet eine beinahe endlose Quelle an Informationen, Kommunikationsmöglichkeiten und Unterhaltung. Im Internet lauern allerdings auch Risiken und Gefahren. Schlagworte wie Fake News, Cybermobbing, Sexting oder Spielsucht erinnern daran, dass die Nutzung von digitalen Medien auch mit Problemen behaftet sein kann. Wer im schulischen, beruflichen oder privaten Bereich digitale Medien nützt und von den Möglichkeiten des Internets profitieren möchte, sollte über Medienkompetenz verfügen. Vor welchen Risiken sie schützt, warum sie gerade für junge Menschen wichtig ist und wo Sie weiterführende Angebote in diesem Bereich finden, erfahren Sie hier im Beitrag.

Hinweis

Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, mediale Angebote sicher und selbstbestimmt zu nutzen und ihre Inhalte kritisch wie auch selbstbestimmt reflektieren zu können. Der Begriff „Medienkompetenz“ bezieht sich auf klassische Medien (Zeitung, Radio und Fernsehen) und neue Medien (digitale Geräte, Internet, Social Media). Auf der Seite des Bundeskanzleramtes finden Sie nähere Informationen zur Begriffsdefinition sowie relevante Links zum Thema Medienkompetenz.

Warum ist Medienkompetenz wichtig?

Online-Medien sind aufgrund der zunehmenden Digitalisierung eine wichtige Grundvoraussetzung für die Teilhabe am sozialen und beruflichen Leben geworden. Für den sicheren Umgang damit sind jedoch nicht nur technische, sondern auch mentale Voraussetzungen nötig. Medienkompetenz schützt vor etlichen Fallstricken der digitalen Welt wie Fake News, Hacking-Angriffen oder Identitätsdiebstahl.

Junge Menschen erlernen den technischen Umgang mit digitalen Medien meist spielerisch und intuitiv. Für die kritische Beurteilungen einer großen Menge an Informationen, wie sie vom Internet bereitgestellt wird, fehlen jedoch häufig Wissen und Erfahrung. Deshalb sollten Kinder möglichst früh unter sachkundiger Begleitung an Medien herangeführt werden. Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin der Initiative Saferinternet.at, gibt zu bedenken, dass viele Kinder bereits vor dem ersten Geburtstag erstmals in Kontakt mit neuen Medien kommen: „Wenn man zum Beispiel über WhatsApp mit den Großeltern telefoniert, ist das bereits eine Form aktiver Nutzung neuer Medien“, erklärt die Expertin.

Dabei sollten sich Eltern nicht von der spielerischen Lockerheit täuschen lassen, mit der Kinder den Umgang mit Smartphone, Computer oder Tablet lernen. „Den reinen Umgang mit der Technik, also wo sie klicken oder wischen müssen, kapieren Kinder sehr schnell“, so Buchegger. „Ganz anders ist es bei der Beurteilung der Inhalte. Nicht altersgerechte Inhalte können Kinder überfordern oder ihnen Angst machen.“

Gefahren durch Medienkonsum

Kinder und Jugendliche sollten möglichst früh ein Bewusstsein für die potenziellen Risiken im Umgang mit digitalen Medien entwickeln. Problematische Bereiche, auf die Eltern und Erziehungsberechtigte besonders achtgeben und ihre Kinder dementsprechend sensibilisieren sollten, sind zum Beispiel:

  • Unkontrolliertes Online-, oder Konsole spielen. Wenn das Kind den Großteil des Tages vor dem Monitor verbringt, schulische Leistungen leiden und soziale Kontakte unwichtig werden, dann ist Gefahr im Verzug. Worauf Eltern und Erziehungsberechtigte hier besonders achten müssen, lesen Sie im Beitrag „Mein Kind ist ständig am Spielen“.
  • Exzessiver Konsum von Inhalten im Internet. Darunter fallen unter anderem Online-Shopping, Chatten per Messenger, Interaktionen auf Social Media oder ein unstillbares Bedürfnis nach Informationen („Newsjunkie“).
  • Cybermobbing. Das Bloßstellen, Beleidigen, Bedrohen oder Belästigen über soziale Medien und andere Kanäle ist nicht nur strafbar, es kann den Opfern auch schweres emotionales Leid zufügen. Oft trauen sich diese nicht, sich jemandem anzuvertrauen. Hinweise auf Cybermobbing können Verhaltensveränderungen oder sozialer Rückzug sein. In unserem Beitrag „Erste Hilfe bei Cyber-Mobbing: Tipps für Eltern und Kinder“ finden Sie nähere Infos zum Thema.
  • Cybergrooming. Beim Cybergrooming versuchen Erwachsene über digitale Kommunikationskanäle mit Minderjährigen in Kontakt zu treten und sich ihr Vertrauen zu erschleichen. Da dies häufig in sexueller Absicht geschieht, sollten Eltern von betroffenen Kindern und Jugendlichen umgehend die Polizei verständigen. Nähere Infos zu Cybergrooming finden Sie bei Saferinternet.at.
  • Sexting. Das Versenden sexueller Text-, Bild-, Ton- oder Videoinhalte kann besonders problematisch sein, wenn sich junge Menschen dazu überreden lassen, intime Bilder oder Videos von sich selbst zu verschicken. Saferinternet.at hat zu diesem Thema eine Informationsbroschüre für Jugendliche veröffentlicht.
  • Fake News. Grundsätzlich hat jeder das Recht, seine Informationsquellen selbst zu wählen. Vorsicht ist jedoch angebracht, sobald der Konsum nicht ausreichend geprüfter Informationen das eigene Weltbild zu prägen beginnt. Für weiterführende Informationen lesen Sie auch "Die Online-Flut an Desinformation".
  • Social Engineering & Social Hacking. Auf sozialen Netzwerken kommunizieren Nutzerinnen und Nutzer mit unbekannten Personen häufig relativ locker und offen. Social Enigneers oder Hacker können das ausnutzen, um an Informationen über potenzielle Opfer zu gelangen oder sich Zugriff auf Ihre Geräte und Accounts zu verschaffen. Zurückhaltung bei der Preisgabe persönlicher Informationen ist deshalb ratsam. Näheres zum Thema finden Sie hier am Portal unter „Social Engineering“.

Wie wird Medienkompetenz erworben?

Neue Medien sind heute allgegenwärtig und bestimmen zunehmend die Gestaltung des beruflichen oder privaten Alltags. Experten raten Eltern und Erziehungsberechtigten daher davon ab, Kindern und Jugendlichen den Konsum von digitalen Medien zu verbieten. Stattdessen sollten Minderjährige begleitet von Eltern und Pädagogen an digitale Medien herangeführt werden und frühzeitig einen kritischen Umgang mit neuen Medien erlernen.

Obwohl Medienkompetenz mittlerweile fixer Bestandteil moderner Lehrpläne an Schulen ist, tragen vor allem auch Erziehungsberechtigte eine Verantwortung, Kinder in einem sicheren Umfeld an den reflektierten Medienkonsum heranzuführen. Immerhin findet ein Großteil davon außerhalb der Schulzeit statt. „Eltern sollten wissen, womit sich ihre Kinder beschäftigen, was sie interessiert und was nicht“, meint Expertin Barbara Buchegger. „Dann kann man ihnen zum Beispiel gezielt alternative Inhalte zu dem anbieten, was in sozialen Medien oder durch Influencer beworben wird.“

Tipp

  • Besprechen Sie mit Ihren Kindern mögliche Gefahren von Medienkonsum.
  • Hören Sie Ihren Kindern zu und nehmen Sie ernst, was Ihnen diese anvertrauen.
  • Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus. Achten Sie auf Anzeichen für einen exzessiven, suchtartigen Medienkonsum.
  • Im Zweifelsfall: Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch.

Medienkompetenz: Weitere Informationen und Unterstützung

Im Netz existieren zahlreiche Initiativen und Plattformen, die Kindern, Jugendlichen und Erziehungsberechtigten Unterstützung und Informationen rund um digitale Medien und Mediennutzung bieten. Nachfolgend eine Auswahl:

  • Fit4Internet. Plattform des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, die Bildungsanbieter und -suchende zusammenbringt.
  • BuPP. Die Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von digitalen Spielen listet empfehlenswerte Spiele auf. Über eine Suchmaske kann man außerdem gezielt nach Spielen suchen.
  • Spielbar.de. Deutsches Pendant zu BuPP, allerdings ohne Suchfunktion.
  • Saferinternet.at. Umfassende Webseite zu zahlreichen Themen rund um das Internet und den sicheren Umgang damit.
  • Datenbank des Deutschen Jugendinstitut (DJI). Hier kann gezielt nach Apps für Kinder gesucht, beziehungsweise Bewertungen namentlich bekannter Apps gelesen werden.
  • Digi4Family. Initiative des Bundeskanzleramts zur Steigerung der Medienkompetenz von Familien.
  • Medienzirkus. Radiosendung der Medienpädagogin Rosa Danner und ihrem Berufskollegen Wolfgang Pospischill. Alte Folgen können online nachgehört werden.

Hinweis

Worauf Eltern und Erziehungsberechtigte bei Spiele-Apps für Kinder achten sollten, erfahren Sie im Beitrag „Handyspiele für Kinder: Was Erziehungsberechtigte beachten müssen.

Letzte Aktualisierung: 3. März 2022

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria