Ambient Assisted Living: Smarte Assistenz für Pflegebedürftige

Altersgerechte Assistenzsysteme werden in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Hier erfahren Sie, welche Vorteile, mögliche Anwendungen und Risiken Ambient Assisted Living mit sich bringt.

Symbolhäuschen vor blauem Hintergrund mit Security Abzeichen davor
Assistenztechnologie. Foto: Adobe

Ambient Assisted Living (kurz: AAL, auch: altersgerechte Assistenzsysteme für ein umgebungsunterstütztes, gesundes und unabhängiges Leben) ist der Überbegriff für verschiedene Technologien, die pflegebedürftigen Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags inner- und außerhalb der eigenen vier Wände unterstützen. Die technischen Mittel für altersgerechte Assistenzsysteme reichen von einfachen Anpassungen bei Mobiltelefonen bis hin zu komplexen Smart-Home-Systemen. Die Assistenzsysteme sollen unaufdringlich den individuellen Bedürfnissen der Menschen angepasst werden. AAL-Technologien haben zum Ziel, älteren und gebrechlichen Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen und ihre Lebensqualität dadurch wesentlich zu verbessern.

Hinweis

Welche Sicherheitsvorkehrungen Sie für Ihr Smart Home treffen können, erfahren Sie in unserem Beitrag Sicherheit im Smart Home: So schützen Sie Ihre Geräte.

AAL-Technologien: Zielgruppen und Einsatzgebiete

In der österreichischen Gesellschaft vollzieht sich ein demografischer Wandel: Laut Statistik Austria wird die Zahl der Menschen über 65 Jahre in Österreich bis 2030 auf 23 Prozent ansteigen. Eine ähnliche Entwicklung hinsichtlich der demografischen Altersstruktur zeichnet sich laut Eurostat in ganz Europa ab: Bis 2050 wird der Anteil der Personen über 65 Jahre auf rund 28 Prozent steigen. Gleichzeitig wird die Pflege innerhalb der Familie aufgrund veränderter sozialer Strukturen immer schwieriger werden, da Familienangehörige oft an unterschiedlichen Orten leben. Wie die Nachfrage nach Pflegepersonal werden in Zukunft auch die Kosten für die Altenpflege steigen.

Vor diesem Hintergrund können AAL-Technologien in vielen Bereichen des täglichen Lebens sinnvoll eingesetzt werden. Die Anwendungsmöglichkeiten der Assistenztechnologien reichen von der Überwachung der Gesundheit bis hin zur Freizeitgestaltung. Mögliche Einsatzbereiche für AAL-Technologien sind unter anderem Gesundheit und Pflege, Unterstützung im Haushalt, Kommunikation und Teilhabe am sozialen Leben, Sicherheit zuhause, Spielen und Lernen sowie Mobilität.

Hinweis

Hilfreiche Tipps und Maßnahmen für ältere Menschen gegen Cyberkriminalität finden Sie im Beitrag Sicher Surfen für ältere Personen – praktische Tipps gegen Internetbetrug

Wie funktioniert Ambient Assisted Living?

AAL-Assistenzsysteme ermöglichen die durchgängige Versorgung von pflegebedürftigen Menschen. Diese Systeme lassen sich, ähnlich wie bei einem Smart Home, für die unterschiedlichsten Anwendungsszenarien kombinieren und nach Bedarf aufrüsten. Nachfolgend finden Sie zur Veranschaulichung eine Aufstellung verschiedener AAL-Technologien, die in der Praxis bereits Anwendung finden:

  • Sturzmeldesystem. Mit Hilfe eines Sensorsystems wird erkannt, wenn eine Person stürzt und am Boden liegen bleibt. Eine Meldung wird automatisch an eine Notrufzentrale weitergeleitet.
  • Notrufsystem. Die Notrufanlage kann als smarte Armbanduhr getragen werden und dient als mobiles Ruf- und Ortungssystem. Durch einen leichten Druck auf das Display wird eine Notruf-Leitstelle alarmiert. Bei einem Sturz der Trägerin oder des Trägers wird automatisch ein Notruf abgesetzt.
  • Übermittlung von Vitaldaten. Blutdruck, Blutzucker und andere Messwerte können via Smartwatch direkt an eine Hausärztin oder einen Hausarzt übermittelt werden. Ein anschauliches Feedback wird außerdem am Bildschirm angezeigt.
  • Videotelefonie. Videotelefonie direkt am Fernseher ermöglicht soziale Teilhabe und regelmäßigen Kontakt mit Familienangehörigen. Die Bedienung auf einem großen Bildschirm ist hierbei leichter und intuitiver als auf einem Handy-Display.
  • Smarte Wohnungstür. Die Gegensprechanlage kann mit einer Kamera ausgestattet werden, die Besucherinnen oder Besucher via Videoanzeige am Fernseher anzeigt. Über eine Fernsteuerung können die Bewohnerin oder der Bewohner Einlass gewähren. Im Falle eines Notrufs erhalten Rettungskräfte beispielsweise einen Zutrittscode.
  • Herdüberwachung. Mithilfe dieses Überwachungs-Tools schaltet sich der Herd bei Überschreitung einer kritischen Temperatur oder nach Ablauf einer vordefinierten Zeit automatisch aus. Die Sicherheitsvorkehrung ist besonders für Demenzerkrankte sinnvoll.
  • Universelle Fernsteuerung. AAL-Technologien können zentral über eine leicht zu bedienende Steuerung (zum Beispiel via Fernseher) beziehungsweise einen intuitiven Touch-Screen gesteuert werden. Die smarte Steuerung kann in weiterer Folge zum Beispiel Telefon, Fernsehen, Heizung, Fenster, Türen und auch Energiesparmaßnahmen umfassen.
  • Assistierende Roboter. Smarte Unterstützungsroboter können verschiedenste Aufgaben für Pflegebedürftige erfüllen. Verschiedene solcher Prototypen, die Pflegerinnen und Pfleger im Arbeitsalltag unterstützen und entlasten, befinden sich in der Entwicklungsphase.

Ambient Assisted Living und mögliche Sicherheitsrisiken

Damit AAL-Assistenzsysteme Abweichungen vom normalen Tagesablauf erkennen und als potenziell gefährlich einstufen können, müssen viele persönliche Daten über das Verhalten der Bewohnerin beziehungsweise des Bewohners gesammelt und ausgewertet werden. Hierdurch ergeben sich datenschutzrechtliche Fragen, die zum Beispiel den Ort der Datenspeicherung, den Zugang zu den erfassten Daten sowie den Zeitpunkt, wann die Gesundheitsdaten gelöscht werden, betreffen. Welche persönlichen Daten (außer in Notfällen) das „Haus“ verlassen dürfen, sollte daher ausdrücklich mit den unterschiedlichen Anbieterinnen und Anbietern der Assistenzsysteme vereinbart werden.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche ethische Aspekte, die im Rahmen der AAL-Technologien berücksichtigt werden müssen. So dürfen AAL-Anwendungen nicht die eigene Agilität untergraben oder körperliche und geistige Herausforderungen im Alltag ersetzen, indem beispielsweise das Einkaufen von Lebensmitteln per Bestellung erledigt wird, obwohl die Person körperlich dazu in der Lage wäre. Die Eigenverantwortung der Anwenderinnen und Anwender soll zudem möglichst unberührt bleiben.

Ambient Assisted Living in Österreich

Im Jahr 2012 wurde in Österreich auf Initiative des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) die Plattform AAL Austria gegründet. In Bezug auf Förderung und Forschung von AAL-Systemen gehört Österreich im internationalen Vergleich zu den aktivsten Ländern. So laufen derzeit bereits elf AAL-Pilotregionen in Österreich, in denen „altersgerechte Assistenzsysteme für ein umgebungsunterstütztes, gesundes und unabhängiges Leben“ Verwendung finden. In Summe sind bereits 1000 betreute Wohneinheiten und österreichische Haushalte mit AAL-Technologien ausgestattet. Während viele AAL-Assistenzprodukte bereits am freien Markt erhältlich sind, befindet sich eine weitaus größere Zahl an Hilfstechnologien noch in der Entwicklungsphase.

Hinweis

Wenn Sie sich mit der österreichischen AAL-Community vernetzen wollen, können Sie sich auf der Website der Plattform AAL Austria über Angebote, Neuigkeiten und Veranstaltungen des Vereins informieren.

Letzte Aktualisierung: 18. November 2021

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria