Sicher Surfen für ältere Personen – praktische Tipps gegen Internetbetrug

Sicher Surfen im Netz ist ein Thema, das für jede Altersgruppe relevant ist. In älteren Zielgruppen gibt es jedoch tendenziell mehr Personen, die im Internet von Cyberkriminalität betroffen sein können. Hier erfahren Sie, wie Sie die häufigsten Risiken im Netz vermeiden.

eine junge Frau und ein älterer Herr sitzen gemeinsam auf der Couch und schauen auf den Laptop und die Kreditkarte

Die Corona-Pandemie brachte es mit sich, dass immer mehr Seniorinnen und Senioren im Internet aktiv waren. Im Jahr 2020 waren es in der Altersgruppe von 65 bis 74 Jahren bereits 57%, die laut Statistik Austria im Internet surften. Die allgegenwärtige Digitalisierung erleichtert einerseits den Alltag und ist andererseits in zunehmendem Maße eine Voraussetzung für die Teilnahme am gesellschaftlichen und sozialen Leben. Parallel zu dieser Entwicklung ist auch die Internetkriminalität auf dem Vormarsch.

Internetsicherheit für Seniorinnen und Senioren

Das fehlende Bewusstsein darüber, dass nicht alle Internetseiten vertrauenswürdig sind, birgt Risiken: Hackerangriffe, Datendiebstahl und Viren, die den Computer betriebsunfähig machen, sind keine Seltenheit. Mit der Schließung des stationären Handels aufgrund von Corona gingen höhere Fallzahlen von Internetkriminalität einher: Mit einer Zunahme von 11,6% im Vergleich zum Vorjahr wurden 2020 in Österreich 18.780 Fälle von Internetbetrug angezeigt. 

Innerhalb der Cybercrime-Delikte sind Betrugsfallen mit Abstand die größte Gefahr für ältere Menschen, die noch nicht versiert im Umgang mit dem Internet sind, so Mag. Edith Simöl, Leiterin der Servicestelle digitaleSeniorInnen. „Schnell werden Angebote angeklickt, die in irgendeiner Form einen Betrug beinhalten. Seniorinnen und Senioren, die nicht sehr routiniert sind, lesen vielleicht nicht den ganzen Text. Oft wird auch nicht erkannt, dass es sich nicht immer um redaktionell freigegebene Inhalte im Internet handelt.“ Neben Betrugs- und Abofallen seien nämlich auch unseriöse Gesundheitsinformationen ein ernstzunehmendes Problem.

Sehr häufig sind auch Phishing-Mails oder -SMS (betrügerische Nachrichten, die dazu auffordern, persönliche Daten bekannt zu geben) im Umlauf, die zur Herausforderung für Unerfahrene werden. Die Aufforderung könne beispielsweise von der vermeintlichen Hausbank stammen und sehr vertrauenswürdig wirken. Hierdurch werden Betroffene auf eine Website weitergeleitet, auf welcher persönliche Daten abgefragt werden. „Dies können Bankkontodaten oder Zugänge zu E-Mail-Accounts sein. Das größte Problem ist hier sicher, dass die gestohlenen Daten dann von Kriminellen missbräuchlich verwendet werden können.“

Risiken mobiler Endgeräte 

Neben der Internetnutzung mit dem Stand-PC bringt das mobile Internet weitere Risiken mit sich. So können beispielsweise unseriöse Gewinnspiele durch Kettenbriefe via WhatsApp in Umlauf gebracht werden. Dies kann in besonderem Maße auch Seniorinnen und Senioren betreffen, die das Internet hauptsächlich zur Kommunikation (zum Beispiel Videotelefonat) verwenden. „Der Unterschied ist, dass bei mobilen Endgeräten die Bildschirme kleiner sind und dadurch Informationen schwieriger zu lesen sind. Außerdem werden auf mobilen Endgeräten Apps schneller heruntergeladen als Programme am Computer installiert“, so die Expertin.

Hinweis

Häufige Risikoquellen:

  • Bestellbetrug. Hier handelt es sich um Betrugs- und Abofallen durch kriminelle Anbieterinnen und Anbieter.
  • Datenmissbrauch. Mittels Phishing gelangen Kriminelle zu persönlichen Daten und können dadurch einen großen finanziellen Schaden verursachen (Identitätsdiebstahl, missbräuchliche Verwendung von Kreditkarten und Accounts, Vorauszahlungsbetrug).
  • Unseriöse Inhalte. Fake News und Gesundheitsinformationen, die nicht auf medizinischen Grundlagen beruhen, sind hier als größte Risikoquellen zu nennen.

Tipps für ein sicheres Surfen (für ältere Personen) im Internet

Laut Simöl sei allein schon das Bewusstsein gegenüber Betrugsfällen im Netz sehr wichtig. Darüber hinaus empfiehlt sie genaues Lesen. Im Zweifelsfall solle man nichts anklicken, das einen seltsamen Eindruck vermitteln würde. Dies sei beispielsweise immer dann der Fall, wenn eigene Daten abgefragt werden. Viele Risiken würden sich außerdem durch kritisches Hinterfragen vermeiden lassen: „Wer hat was geschrieben, wer steht dahinter? Das sind Dinge, die man wissen muss, um sich im Internet sicher bewegen zu können.“

Mit den folgenden Regeln sind Sie beim Surfen im Internet auf der sicheren Seite:

  • Genaues Lesen vor jedem Klick. Bevor Sie einen Link öffnen oder etwas bestellen wollen, sollten Sie sich alle Informationen (zum Beispiel Kaufbedingung, Anbieter etc.) genau durchlesen.
  • Vorsicht bei Gratis-Angeboten. „Sie haben ein Cabriolet gewonnen!“ Auch im Internet wird für gewöhnlich nichts verschenkt.
  • Keine persönlichen Daten im Netz bekanntgeben. Personenbezogene Daten können missbräuchlich verwendet werden.
  • Pseudonyme in sozialen Netzwerken und Foren verwenden. Schützen Sie Ihre Identität, um Datendiebstahl zu verhindern.
  • Sichere Zahlungsmethoden wählen: keine Vorauskasse. Bevor die Bestellung nicht eingetroffen ist, kein Geld überweisen.
  • Informationen hinterfragen. Ein kritischer Geist hinterfragt Informationen besser zweimal.
  • Unseriöse E-Mails löschen. Halten Sie Ordnung in Ihrem Posteingang und löschen Sie Spam und Phishing-Mails.
  • Bei Einkäufen alle Bestätigungen dokumentieren. Wenn Sie online ein Produkt bestellen, sollten Sie die Bestellbestätigung aufbewahren.
  • Virenschutz verwenden. Achten Sie auf regelmäßige Aktualisierungen des Betriebssystems und installieren Sie einen Virenschutz. So bleibt Ihr PC geschützt.
  • Hilfe beim Konsumentenschutz suchen. Zögern Sie nicht, in Verdachts- und Betrugsfällen den Konsumentenschutz zu konsultieren.  

Betrug im Internet: Wo finde ich Hilfe?

Nach einem Betrugsfall sollten Betroffene schnell reagieren, um den Schaden möglichst gering zu halten. Rund um das Thema Online-Shopping, Abofallen und Vertragsabschlüsse bietet die „Internet Ombudsstelle“ kostenlose und effektive Hilfe gegen Betrugsfälle. Simöl empfiehlt außerdem die ebenfalls kostenlose App „Watchlist Internet“ (gibt es für iOS und Android), die über aktuelle Betrugsfälle informiert. „Zuerst nachschauen, ob es sich nicht um einen Betrug handelt, der gerade die Runde macht. Denn die Betrugsmaschen kommen meist in Wellen.“

Sicher Surfen für ältere Personen: Hilfreiche Links

Bei weiteren Fragen zum Thema helfen die Initiativen fit4internet, Saferinternet.at und die Servicestelle digitaleSeniorInnen. Betroffene können sich in Betrugsfällen an die Internet Ombudsstelle wenden oder im Verdachtsfall Watchlist Internet zu Rate ziehen.

 

Letzte Aktualisierung: 5. August 2021

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria