Neue Studie: Selbstdarstellung in Sozialen Netzwerken

Selbstdarstellung im Internet ist wichtig für Jugendliche. Unsere neue Studie zeigt jedoch, dass Soziale Netzwerke mittlerweile mehr zum Kontakthalten als zum "Posen" genutzt werden.

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Die wichtige Rolle von Sozialen Netzwerken für die Selbstdarstellung und die Kommunikation mit FreundInnen ist unumstrittten. Foto: Unsplash

Soziale Netzwerke: Digitale Nabelschnur in Pandemiezeiten 

Praktisch alle im Rahmen der Studie befragten Jugendlichen nutzen Soziale Netzwerke. Sie treten mit durchschnittlich 11 Jahren ihrem ersten Sozialen Netzwerk bei. Im Mittel verwenden sie zwei bis drei Plattformen parallel. Die Netzwerke werden dabei bewusst für unterschiedliche Zwecke eingesetzt. Diese differenzierte Nutzung zeigt sich umso deutlicher, je älter die Jugendlichen sind.

Stand früher die Selbstdarstellung im Vordergrund, so ist nun das Kontakthalten mit anderen eindeutig die Hauptfunktion von Sozialen Netzwerken. Das zeigte sich schon vor Covid-19 und hat sich seither nochmals verstärkt. Denn in der Pandemie ist das Kontakthalten mit Familie, FreundInnen und SchulkollegInnen schwieriger geworden, gewinnt aber gleichzeitig massiv an Bedeutung. Soziale Netzwerke dienen als eine Art digitale Nabelschnur zur Außenwelt und verdienen ihren Namen mehr als je zuvor.

An zweiter Stelle nach dem Kontakthalten rangieren Information bzw. Unterhaltung. Erst dann folgen eigene Postings und Selbstdarstellung. Das virtuelle Teilhabenlassen anderer am eigenen Leben ist damit weniger wichtig geworden.

Infografik "Das Leben im Online-Stream" (PDF, PNG)

Jugend-Internet-Monitor 2021: Größte Zuwächse bei Discord und TikTok

Die veränderten Nutzungsweisen bringen auch Verschiebungen im Ranking der verbreitetsten Internetplattformen österreichischer Jugendlicher mit sich. Wir haben die beliebtesten Sozialen Netzwerke der 11- bis 17-Jährigen zum 6. Mal im Rahmen des Jugend-Internet-Monitors erhoben.

Demnach ist WhatsApp mit 98 Prozent der klare Favorit bei Jugendlichen und kratzt bereits an der 100-Prozent-Marke. Es ist die wichtigste Plattform zum Kontakthalten mit Familie, FreundInnen und SchulkollegInnen, wird aber während der Pandemie auch für Lerngruppen bzw. zur gegenseitigen Unterstützung bei den Herausforderungen des Homeschoolings verwendet.

Auf dem zweiten Platz landet YouTube (93 Prozent) als Info- und Entertainment-Channel, auf dem dritten Rang liegt Instagram (84 Prozent), das ebenfalls zum Kontakthalten sowie zur Information verwendet wird. Alle drei Netzwerke konnten im Vergleich zum Vorjahr zulegen.

Die Top Fünf vervollständigen die Foto-Sharing-App Snapchat (75 Prozent) und die Video-App TikTok (57 Prozent), die während der Pandemie deutlich wichtiger geworden ist (+15 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Mit deutlichem Abstand, aber dennoch erstmals so weit vorne kann sich die Inspirations-Plattform Pinterest platzieren (39 Prozent). Das weltweit größte Soziale Netzwerk Facebook ist bei Österreichs Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr von Platz fünf auf Platz sieben (34 Prozent) zurückgefallen.

Ein besonders hoher Zuwachs um 16 Prozentpunkte auf 33 Prozent (Platz 8) ist bei Discord zu verzeichnen. In den letzten Monaten hat sich Discord von einer Gaming-Plattform hin zu einem vielfältig genutzten digitalen Aufenthaltsraum entwickelt. Der vollständige Jugend-Internet-Monitor findet sich unter www.jugendinternetmonitor.at.

Jugend-Internet-Monitor 2021 (PDF, PNG)

Selbstdarstellung ist mehr als nur Selfies posten

Das erste Soziale Netzwerk scheint prägend für das weitere Online-Verhalten und insbesondere auch für die Art der Selbstdarstellung zu sein. Während, vereinfacht gesagt, in der „Generation Facebook“ (also den heute Erwachsenen) immer noch Spiegel-Selfies mit dem Handy vor dem Gesicht der Renner sind, sind bei den Instagram- und Snapchat-DebütantInnen Bildbearbeitung generell bzw. die Bearbeitung der Profilfotos wichtig.

Letzte Aktualisierung: 1. September 2023

Für den Inhalt verantwortlich: Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT)