Zwei Fallen in einer: Wie Kriminelle ihre Opfer mit Fake-Jobs und Krypto-Investmentbetrug ausnehmen

Eine Betrugsfalle allein kann bereits großen finanziellen Schaden anrichten. Werden zwei Maschen kombiniert, steigert dies die Gefahr nochmals deutlich. Ein vorliegender Fall zeigt, wie Kriminelle ein bereits schwer getroffenes Opfer weiter ausnehmen, sowohl mit Job- als auch Krypto-Investmentbetrug.

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Foto: Adobe Stock

Job-Kryptoinvestment-Kombi: Die Heimarbeit

Das Opfer erhielt vom vermeintlich seriösen Anbieter „handmadeshops.net“ ein Angebot zur Heimarbeit. Wenig Aufwand, freie Zeiteinteilung, arbeiten in den eigenen vier Wänden, hoher Verdienst – die Versprechungen klingen dabei immer gleich. Wer auf ein derartiges Angebot eingeht, bekommt via Messenger-Chat einen „persönlichen Assistenten bzw. eine Assistentin“ zugewiesen, der die Einführung übernimmt.

  • Dem Opfer werden laufend Aufgaben zugeteilt. Sind diese abgearbeitet, wandert der dafür fällige Lohn auf ein zuvor eigens angelegtes Userkonto.

  • Je länger das Opfer dabei ist, desto umfangreicher – und kostspieliger! – werden die Aufgaben.

  • Ein Projekt lässt sich nur dann bearbeiten, wenn sein Wert das angehäufte Guthaben nicht übersteigt. Zum Beispiel: Auf dem Konto befinden sich 470 Euro, die nächste Aufgabe bringt allerdings 600 Euro ein. Ist das der Fall, soll das Opfer die Differenz kurzfristig mit seinem eigenen Geld ausgleichen.

  • Da die offene Aufgabe aber einen besonders hohen Wert aufweist, würde unterm Strich ein Gewinn übrigbleiben – so lautet zumindest das Versprechen.

Dieses Spiel lässt sich im Grunde unendlich lange fortsetzen. Das Opfer zahlt echtes Geld ein, um unwissentlich unechtes Geld zu verdienen. Unecht deshalb, weil es nicht existiert. Der Kontostand steigt zwar augenscheinlich, eine Auszahlung findet aber niemals statt.

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Die Login-Seite für das Fake-Jobportal "handmadeshops.net". Foto: ÖIAT

Job-Kryptoinvestment-Kombi: Die verweigerte Auszahlung

Entschließt sich das Opfer dazu, die Früchte seiner Arbeit zu ernten und das angehäufte Guthaben ausbezahlen zu lassen, sieht es sich plötzlich mit einer langen Liste an Problemen konfrontiert.

  • Das Geld wird angeblich erst nach der Bezahlung von „Gebühren“ und „Steuern“ freigegeben.

  • Lässt sich das Opfer auf eine Zahlung ein, erfinden die Kriminellen ganz einfach weitere angeblich notwendige Abgaben.

Auch diese Masche hat kein festgelegtes Ende. Sie wird so lange durchgezogen, bis das Bankkonto leer ist oder die Betroffenen von sich aus einen Schlussstrich ziehen. 

Zu diesem Zeitpunkt haben die Opfer oft bemerkt, dass sie in eine Betrugsfalle getappt sind und konfrontieren ihre „Assistent/innen“ mit ihrem Verdacht. In den bisher beobachteten Reaktionen streiten die Kriminellen die Vorwürfe meistens ab („Unser Unternehmen begeht niemals illegale oder unethische Handlungen!“), wiegen das Opfer in falscher Sicherheit („Unser Unternehmen verfügt über ein umfassendes Rechtsschutzsystem, das Ihnen Sicherheit bietet!“) oder geben sich beleidigt („Du sagst solche Dinge zu mir, und ich bin wirklich sehr traurig!“).

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Die Screenshots zeigen, wie die Kriminellen ihre Opfer üblicherweise bearbeiten. Foto: ÖIAT

Zuletzt wurde eine andere Strategie beobachtet, die für das Opfer deutlich gefährlicher ist als bisherige Varianten. Die Kriminellen schleusen die betroffene Person ganz einfach in die nächste Betrugsmasche weiter.

Job-Kryptoinvestment-Kombi: Die Investitionsmöglichkeit

Sobald ein Opfer angibt, kein Geld mehr einzahlen zu können, bringend die bisherigen “Assisten/innen” die Möglichkeit eines lukrativen Krypto-Investments ins Spiel. Man kenne da eine sichere Methode, sein Geld in kurzer Zeit zu vermehren und könne sofort den Kontakt herstellen.

Im konkreten Fall wurde das Opfer an eine neue Mentorin verwiesen und in die Plattform „Z-Cash“ mit der Domain „fullzcash.vip“ eingeführt. An der grundlegenden Funktion der Betrugsmasche änderte sich durch den Wechsel nichts. Die Kriminellen versuchen über geschickte Gesprächsführung weitere Einzahlungen zu bewirken, Auszahlungen seien erst nach der Begleichung von Gebühren, Steuern etc. möglich. Dauer der Masche: Potenziell unendlich – oder bis eben kein Geld mehr da ist.

Dabei wird auch nicht davor zurückgeschreckt, die Betroffenen zum Verkauf von Hab und Gut oder zur Aufnahme von Krediten zu drängen. Zudem schlagen die Betrüger/innen immer wieder vor, sich das nötige Geld im Freundes- und Bekanntenkreis zu leihen. Ein der Redaktion vorliegender Chatverlauf zeigen die Dreistigkeit. Unter anderem ist dort zu lesen:

"Warum verkaufst du nicht alles, damit wir das Geld nehmen können, um mehr Geld zu verdienen, und dann können wir neue kaufen"

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Die Kriminellen nutzen die von ihnen herbeigeführte Notlage des Opfers aus. Foto: ÖIAT
Achtung

Mehrere Konten! Die Opfer müssen die angeblichen notwendigen Gebühren und Steuern üblicherweise auf verschiedene Bankkoten von Privatpersonen im Ausland transferieren. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hierbei um Geldwäsche-Konten handelt, die im Zuge einer anderen Betrugsmasche angelegt wurden (Stichwort: Money Mule).

Was tun, wenn man in die Falle getappt ist?

Die beschriebenen Fallen sind deshalb so perfide, weil sie praktisch unendlich lange fortgesetzt werden können. Die Kriminellen nutzen die anstehende Auszahlung als Karotte, die sie ihrem Opfer vor die Nase halten. Erreichen kann es sie allerdings nie. Deshalb ist es ganz besonders wichtig, so früh wie möglich Stopp zu sagen!

  • Überweisen Sie auf keinen Fall weiteres Geld! Es wird niemals zu einer Auszahlung kommen!

  • Brechen Sie den Kontakt ab und blockieren Sie Ihre bisherigen Ansprechpersonen!

  • Bleiben Sie wachsam! Da die Kriminelle über Ihre Kontaktdaten verfügen, werden Sie sehr wahrscheinlich versuchen, Sie mit einer anderen Masche zu ködern.

  • Vorsicht vor dem sogenannten Recovery Scam! Dabei wenden sich Kriminelle gezielt an frühere Opfer und versprechen – gegen einen angeblich kleinen Betrag – das verlorene Geld zurückholen zu können.

  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei!

  • Die Chance auf eine Rückbuchung des investierten Geldes liegt praktisch bei null. Kontaktieren Sie dennoch Ihre Bank und schildern Sie die Situation!

Letzte Aktualisierung: 17. September 2026

Für den Inhalt verantwortlich: Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT)