Wie Sie gegen Hetze und Radikalismus im Internet vorgehen können

Wir zeigen, wo Sie Materialien und Beratung zu Online-Extremismus und -Radikalismus finden und wie Sie Hasspostings und unangemessene Inhalte im Internet melden können.

Symbolbild Stop
Radikales oder extremistisches Gedankengut findet im Internet schnelle Verbreitung. Foto: Pixabay

Radikale religiöse Gruppierungen bzw. politisch extreme Gruppen nutzen heute immer häufiger das Internet und insbesondere Soziale Netzwerke, um ihr radikales Gedankengut zu verbreiten. Viele Eltern, Lehrende und auch Jugendliche selbst stellen sich die Frage, wie mit Fällen von Online-Dschihadismus oder -Radikalismus umzugehen ist. Gleichzeitig steigt auch die Anzahl an rassistischen oder fremdenfeindlichen Hassbotschaften im Netz ("Hatespeech").

Wir haben zusammengefasst, wo Sie Informationen und Beratung zu Online-Dschihadismus und -Radikalismus finden und wie Sie gegen Hetze auf Online-Plattformen und in Sozialen Netzwerken vorgehen können.

Wo finde ich Informationen zum Thema Hass-Postings im Internet?

  1. Online-Handbuch "Bookmarks"
    Im Rahmen der Kampagne "No Hatespeech" wurde das Online-Handbuch "Bookmarks – A manual combating hate speech online through human rights education" veröffentlicht. Es zeigt in 21 Unterrichtsbeispielen für 13- bis 18-Jährige Aktivitäten, wie junge Menschen Hassreden im Internet sowie Cyber-Mobbing entgegentreten können. Die europaweite (Jugend-)Kampagne des Europarats richtet sich gegen alle Formen von Hassreden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Hass-Postings im Internet.
    Kostenloser Download: Handbuch "BOOKMARKS – Bekämpfung von Hate Speech im Internet durch Menschenrechtsbildung" (pdf, 3.5 MB)
    Kostenloser Download der englischsprachigen Version: www.nohatespeechmovement.org/bookmarks
  2. Broschüre "Geh sterben! – Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet"
    Wie kann Hatespeech im Internet begegnet werden? Wer trägt welche Verantwortung? Und was ist Hatespeech eigentlich genau? Die Informationsbroschüre "Geh sterben! – Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet" der Amadeu Antonio-Stiftung gibt Antworten auf diese Fragen.
    Weitere Informationen der Amadeu Antonio-Stiftung zum Thema Hate Speech unter www.amadeu-antonio-stiftung.de/hatespeech
  3. Folder "Hasspostings" der ISPA
    Der Folder "Hasspostings" der Internet Service Providers Austria (ISPA) informiert darüber, wann angriffige Postings einen rechtlichen Straftatbestand erfüllen.
    Kostenloser Download unter ispa.at/hasspostings oder im Saferinternet.at - Broschürenservice
  4. Jugend und Extremismen – Informationsseite des BMBWF
    Umfassende Informationen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und Kontaktadressen von Beratungsstellen finden Sie unter www.schulpsychologie.at/extremismus
  5. Elternratgeber "Rechtsextremismus im Internet" von Klicksafe.de
    Diese Broschüre informiert darüber, wie rechtsextreme Gruppierungen das Netz nutzen, wie Sie rechtsextreme Inhalte erkennen können und wie Sie Ihr Kind fit machen können, damit umzugehen.
    Kostenloser Download: Elternratgeber "Rechtsextremismus im Internet" von Klicksafe.de
  6. Broschüre "Hate Speech – Hass im Netz. Informationen für Eltern und Fachkräfte" von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM)
    Diese Broschüre informiert über verschiedene Spielarten von Hate Speech und unterstützt dabei, Hass-Postings im Internet zu identifizieren und entsprechende Handlungsoptionen zu entwickeln.
    Kostenloser Download: "Hate Speech – Hass im Netz. Informationen für Eltern und Fachkräfte"
  7. Broschüre "Islamismus im Netz" von Jugendschutz.net
    Die Publikation informiert darüber, wie Islamisten versuchen, Jugendliche im Netz zu ködern. Die islamistische Propaganda beinhaltet Symbole aus der Popkultur, Anleihen aus Videospielen oder Hollywood-Filmen und findet überwiegend über Facebook, YouTube und Twitter statt.
    Kostenloser DownloadBroschüre "Islamismus im Netz" von Jugendschutz.net

Tipp

Wir empfehlen außerdem das Spiel Decount, das vom Österreichischen Institut für Internationale Politik umgesetzt wurde. Hier können Jugendliche spielend den schleichenden Prozess der Radikalisierung verstehen lernen. Unter extremismus.info finden Sie das Spiel sowie pädagogisches Begleitmaterial.

Wo finde ich Beratung zu Radikalisierung und Extremismus?

  1. Beratungsstelle Extremismus
    Das Team der Beratungsstelle Extremismus steht Ihnen zur Verfügung, falls Sie den Eindruck haben, dass sich Ihr Kind, SchülerInnen oder Ihnen anvertraute Jugendliche einer radikalen religiösen Gruppierung bzw. einer politisch extremen Gruppe angeschlossen haben oder mit rechtsextremem oder radikal islamistischem Gedankengut sympathisieren.
    Die Beratung ist kostenlos und anonym (Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch, BKS, Russisch, Arabisch und Farsi). 
    Hotline: 0800 20 20 44 (Montag bis Freitag, 10.00-15.00 Uhr)
    E-Mail:  office@beratungsstelleextremismus.at
  2. Rat auf Draht
    Der Notruf 147 Rat auf Draht steht Kindern und Jugendlichen sowie deren Bezugspersonen zur Verfügung – rund um die Uhr, kostenlos und anonym. Auch bei Fragen rund um (Online-)Radikalisierung kann man sich an das PsychologInnen-Team wenden:
    Per Telefon unter 147 (ohne Vorwahl), in der Online-Beratung oder im Chat (jeden Freitag von 18:00 bis 20:00 Uhr).
  3. Schulpsychologische Beratungsstellen in den Bundesländern
    Die schulpsychologischen Beratungsstellen unterstützen Schulen im Bedarfsfall bei der Bewältigung schwieriger Situationen, z.B. in Form von Einzelgesprächen mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen, Klasseninterventionen, Beratung der Schulleitung bzw. von Lehrkräften und Planung von Präventionsmaßnahmen.
    Kontakt: AnsprechpartnerInnen im Bildungsministerium und in den Bundesländern

Wie kann ich Hasspostings und andere unangemessene Inhalte melden?

  1. Hass-Postings direkt an das Soziale Netzwerk melden
    Wenn Sie in Sozialen Netzwerken auf hasserfüllte Beiträge stoßen, können Sie diese in der Regel direkt an das jeweilige Netzwerk melden (Nutzen Sie dafür unsere Schritt-für-Schritt-Anleitungen!). Eingegangene Meldungen werden von den Netzwerk-BetreiberInnen überprüft und gegebenenfalls gelöscht. Darüber hinaus haben Sie auch die Möglichkeit, NutzerInnen, die Hasspostings verbreiten, zu melden oder zu blockieren.
    Durch das Kommunikationsplattformen-Gesetz (KoPl-G) sind Soziale Netzwerke dazu verpflichtet rechtswidrige Inhalte rasch zu löschen. Auf Facebook und Instagram gibt es eine eigene Meldeoption gemäß KoPl-G.
    Ausführliche Informationen zum Melden bzw. Blockieren von NutzerInnen und Beiträgen finden Sie in unseren Privatsphäre-Leitfäden für Soziale Netzwerke: www.saferinternet.at/leitfaden
  2. Hassbotschaften in Kommentaren von Websites und Blogs
    Wenn Sie auf Websites oder Blogs auf rassistische oder hasserfüllte Kommentare von anderen NutzerInnen stoßen, können Sie diese an die SeitenbetreiberInnen melden. Falls Ihnen die Inhaberin oder der Inhaber der Website nicht bekannt ist, schauen Sie im Impressum der Seite nach. Auf vielen Websites und Online-Plattformen gibt es auch direkt im Kommentarbereich eine Meldemöglichkeit.
  3. Anzeige erstatten
    Online-Postings, die einen Straftatbestand erfüllen – etwa Verhetzung §283 Abs.1 StGB – können Sie bei jeder Polizeidienststelle anzeigen. Dort wird man Sie beraten, Ihre mündliche Aussage zu Protokoll bringen und die weiteren Schritte für die Strafverfolgung in die Wege leiten. Wichtig: Jede Polizeidienststelle ist zur Aufnahme einer Anzeige verpflichtet – lassen Sie sich nicht abwimmeln! Weitere Infos zur rechtlichen Lage: Hasspostings – was sagt das Gesetz?
  4. Meldestelle NS-Wiederbetätigung
    Neonazistische, rassistische oder antisemitische Inhalte auf Websites oder in Sozialen Netzwerken können Sie an die Meldestelle NS-Wiederbetätigung des Innenministeriums melden.
    E-Mail: ns-meldestelle@bvt.gv.at
  5. Meldestelle extremistische und radikale Videos
    Falls Sie im Internet auf radikale Videos von Terrororganisationen oder ExtremistInnen stoßen, können Sie den Videolink an die Meldestelle des Innenminsteriums schicken. Die gemeldeten Videos werden zur Überprüfung an Google bzw. YouTube weitergeleitet.
    E-Mail: stopextremists@bmi.gv.at
  6. Stopline – Meldestelle gegen sexuelle Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger & nationalsozialistische Wiederbetätigung im Internet
    Bei der Stopline können Sie – auch anonym – Meldung erstatten, wenn Sie im Netz auf nationalsozialistische Inhalte oder kinderpornografisches Material stoßen.
    Hier finden Sie das Stopline Meldeformular
  7. Dokumentation von Rassismus durch ZARA
    Fälle von Rassismus – auch im Online-Bereich – können Sie an die Initiative ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit melden. ZARA dokumentiert und berät zu rassistischen Vorfällen, auch im Internet. Hasspostings können der Beratungsstelle gemeldet werden, ZARA bemüht sich um eine Entfernung (u.a. durch Kontaktieren der SeitenbetreiberInnen) und bringt strafrechtlich relevante Inhalte zur Anzeige. Weiters bietet ZARA MelderInnen kostenlose Beratung und Unterstützung bei (rechtlichen) Schritten an.
    E-Mail: beratung(at)zara.or.at
    Online: Meldeformular auf der Website www.zara.or.at

Hinweis

Weitere Informations-, Beratungs- und Meldestellen rund um das Thema Hass und Hetzeim Internet finden Sie hier: Wo finde ich Unterstützung und Beratung rund um Hasspostings?

Letzte Aktualisierung: 17. Mai 2021

Für den Inhalt verantwortlich: Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT)