So surfen Seniorinnen und Senioren sicher auf Sozialen Netzwerken

Cyberkriminalität nimmt mit fortschreitender Digitalisierung zu und auch ältere Menschen, die sich in der Online-Welt bewegen, sind nicht vor Angriffen gefeit. Wir verraten Ihnen, welche Betrugsmaschen häufig vorkommen und wie Sie sich davor schützen.

Person surft am Smartphone, Grafik Wlan Symbol erscheint über Smartphone
Gefahren für Seniorinnen und Senioren in Sozialen Netzwerken Foto: Adobe Stock

Social-Media-Kanäle prägen seit bald 20 Jahren unseren Alltag und sind ein fixer Teil der Gesellschaft. Dennoch bleiben sie für viele Bürgerinnen und Bürger in ihrer Funktionsweise ein Mysterium. Betroffen sind besonders häufig Menschen jenseits der 60 Jahre-Marke – also jene Generationen, die ohne technische Errungenschaften wie Smartphones aufwuchsen. Sie haben weder die Nutzung der Systeme und Gerätschaften von klein auf verinnerlicht, noch können sie ihrem raschen Fortschritt so spielend leicht folgen wie Jüngere, sogenannte „Digital Natives“.

Seniorinnen und Senioren bewegen sich online auf Plattformen wie Facebook, Twitter und Co. oft nicht besonders sicher – und stellen so eine Zielscheibe für Cyberkriminalität dar. „Ältere sind häufig gefährdet, da sie unerfahren im Umgang mit Social Media sind beziehungsweise erst ihre ersten Schritte online setzen. Das liegt aber nicht am Alter per se. Auch gesellschaftliche Probleme wie Vereinsamung im Alter spielen eine Rolle“, meint Declan Hiscox, Redaktionsleiter von Watchlist Internet, einer unabhängige Informationsplattform zu Internet-Betrug und betrugsähnlichen Online-Fallen aus Österreich.

Das Alter und die Digitalisierung

Dass ältere Menschen sich nicht mit dem Internet und den damit verbundenen Anwendungen auseinandersetzen wollen, ist ein Irrglaube. Auch die Generation 60 plus will am gesellschaftlichen Leben in all seinen Facetten teilnehmen und interessiert sich für Veränderungen. Laut einer Studie des deutschen IT-Branchenverbandes Bitkom aus dem Jahr 2020, bei der mehr als 1.000 Menschen über 65 Jahre befragt wurden, sehen 69 Prozent der Seniorinnen und Senioren die Digitalisierung als Chance.

Demnach sind das Internet und seine Möglichkeiten nicht nur für die Jugend nützlich. Auch ältere Menschen bewegen sich tagtäglich online – jedoch zum Teil mit einem anderen Ziel. Ü60-Onliner „surfen“ meist nicht nach Unterhaltungsangeboten, für sie ist „das Netz“ ein Informationsgeber. Aber auch die Wegersparnis durch Online-Shopping und Online-Banking und vor allem der einfachere Kontakt zu Freunden und Familie über Soziale Netzwerke sind maßgeblich für sie, ins Internet zu gehen.

Die Bitkom-Umfrage ergab, dass sich jede dritte deutsche Seniorin oder jeder dritte deutsche Senior in Sozialen Netzwerken bewegt. Ähnlich ist die Situation in Österreich: Laut einer Erhebung des Online-Portals Statista waren auch in Österreich 2020 ein Drittel der 55- bis 64-Jährigen und ein Viertel der 65- bis 74-Jährigen auf Social Media-Plattformen aktiv. Die beliebtesten Plattformen sind WhatsApp, Facebook, LinkedIn und YouTube.

Besonders aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Social Media-Nutzung auch bei älteren Menschen intensiver. Viele machten in dieser Zeit ihre ersten Schritte in der Online-Welt. Wie der Online-Experte Hiscox bestätigte, fällt es älteren Menschen jedoch oftmals schwerer, sogenannte Frauds (dt.: Betrügereien) im World Wide Web zu erkennen, da ihnen die Erfahrung fehlt. Für nur drei von zehn Seniorinnen und Senioren ist laut Bitkom-Umfrage die mit der Online-Welt verbundene Gefahr präsent. Außerdem verhalten sie sich im Internet häufig wie im realen Leben – vertrauensvoll und höflich. Und sie haben vielfach finanzielle Ersparnisse und Eigentum. Oft fehlt ihnen auch die Unterstützung von Jüngeren. All das macht sie für Cyberkriminelle attraktiv.

Die häufigsten Betrugsmaschen

Auch Online-Betrüger passen ihre Methoden an die aktuellen Geschehnisse und Interessen der Gesellschaft an. Dennoch können Muster wiederkehrender Vorfälle erkannt werden. „Jene Maschen, auf die Seniorinnen und Senioren offline hereinfallen, werden auch online besonders häufig für sie zur Gefahr. Und: Wenignutzerinnen und -nutzer sind vermehrt von Phishing und Scamming betroffen, während hingegen Online-Shopping-Fallen wie Fake-Shops meist Vielnutzerinnen und -nutzer treffen“, erklärt Hiscox.

Hier finden Sie die fünf häufigsten Betrugsmaschen sowie Tipps, wie Sie sich dagegen schützen können.

1. Liebes-Betrug: Ältere Menschen ohne Partner fühlen sich oft einsam, sehnen sich nach einem Gefährten und nutzen deshalb Online-Dating. Jedoch können sich die Partnersuchenden nie sicher sein, wer tatsächlich am anderen Ende der Leitung sitzt. Betrüger treten über Social Media in Kontakt mit Seniorinnen oder Senioren und bauen eine virtuelle Beziehung zu ihnen auf. Meist offenbart das Gegenüber bereits nach kurzer Zeit tiefe Gefühle, und das sollte die Alarmglocken läuten lassen. Sogenannte „Catfisher“ (sinngemäß auf Deutsch: Online-Betrügerinnen und -Betrüger, die sich einsame Menschen „angeln“) nehmen die Identität einer Person an, die tatsächlich in den sozialen Netzen existiert. Ihre Nachrichten zeichnen sich durch eine fehlerhafte Grammatik und Rechtschreibung aus, Online-Freunde haben sie eher wenige oder gar keine. Nach einigen Tagen oder Wochen benötigt die potenzielle Partnerin oder der potenzielle Partner plötzlich finanzielle Hilfe. Manchmal geben sich solche Betrüger auch als „vermeintliche Enkerl“ aus und bitten das angebliche Familienmitglied um Geld, weiß Hiscox.  Spätestens dann sollten Sie den Kontakt abbrechen, denn mit großer Wahrscheinlichkeit ist hier ein Cyberkrimineller unterwegs.

Hinweis

Auf Watchlist-Internet finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung wie Sie erkennen können, ob Ihre Chatpartnerin oder Ihr Chatpartner eine Betrügerin oder ein Betrüger ist.

2. Kettenbriefe: Diese sind seit Beginn der Pandemie wieder häufig auf Social Media zu finden. In einer ersten Eskalationsstufe der Corona-Desinformationen sollten mit Kettenbriefen angebliche Wissenslücken gestopft und Bekannte mit (falsch interpretierten) Informationen versorgt werden. Kettenbriefe fordern dazu auf, die Nachricht an möglichst viele andere Userinnen und User weiterzuleiten. Sätze wie „Schick diese Nachricht an alle deine Kontakte!“ sind typisch. Dahinter verbergen sich zwar nicht zwingend böse Absichten, dennoch sind Cyberkriminelle immer wieder auf diese Weise auf der Jagd nach Kontaktdaten für andere Betrugsmaschen. Auch werden damit Viren in die Online-Welt gesetzt. Dabei sind die in der Nachricht enthaltenen Informationen oder Warnungen fast immer Fake News. Öffnen Sie die Links in den Kettenbriefen keinesfalls und leiten Sie sie auch nicht weiter!

Hinweis

Nähere Infos zu Kettenbriefen, die über Messenger Dienste verbreitet werden, erhalten Sie im Beitrag „Die Gefahr von WhatsApp-Kettenbriefen“.

3. Kreditfallen: Einer der häufigsten Motive für Betrug über Soziale Medien ist der Versuch, an Geld zu kommen. Neben dem Liebes-Betrug gibt es zahlreiche andere Kreditfallen, in die Userinnen und User tappen können. Einerseits appellieren falsche Spendenaufrufe an die Wohltätigkeit der Seniorinnen und Senioren (aber natürlich auch aller anderen). Die vermeintlichen Spendenkonten führen jedoch weder zu einer Hilfsorganisation, noch kommt das Geld jemals bei den Bedürftigen an. Googlen Sie daher immer die Aktion und die Organisation, bevor Sie spenden und vor allem Ihre Bankdaten bekanntgeben.
Umgekehrt nutzen Betrüger auch Notsituationen der (älteren) Userinnen und User aus. Cyberkriminelle bieten über Social Media vermeintlich unschlagbare Kreditangebote an. Nehmen Sie mit dem Geldgeber Kontakt auf oder geben Sie gar Ihre Kontodaten an, sind Sie in die Falle getappt. Seien Sie daher immer vorsichtig, wenn solche Angebote gemacht werden, und überprüfen Sie sie eingehend.

4. Phishing-Versuche: Der Zweck von Phishing-Angriffen auf Social Media ist der Diebstahl von Anmeldeinformationen und damit Ihres gesamten Accounts. Der Begriff „Phishing“ kommt vom englischen Wort „fishing“ und bedeutet „angeln nach Daten“. Die Betrüger versenden über Facebook, Twitter, LinkedIn und andere Social Media-Plattformen Nachrichten mit Links, die zu Anmeldeplattformen führen, oder geben sich als das Unternehmen selbst aus. Haben Sie Ihre Daten dort eingegeben, erhalten die Cyberkriminellen alle nötigen Informationen und hacken Ihren Account. Daraufhin können sie betrügerische Angebote oder wiederum neue Links zum Datenklau an die Kontakte aus Ihrer Online-Freundesliste schicken. Benutzen Sie dasselbe Passwort für Ihre Social Media-Accounts und auch für andere Konten – etwa Ihr Bankkonto – können die Cyberkriminellen viel Schaden anrichten.
Es gibt auch den Fall, dass einer Ihrer Bekannten gehackt wurde und Sie von ihm online dubiose Nachrichten erhalten. Kommt Ihnen der Inhalt seltsam vor, kontaktieren Sie Ihre Social Media-Freundin oder Ihren Social Media-Freund, ob die Nachricht auch wirklich von ihr oder ihm ist.

Hinweis

Welche anderen Phishing-Betrugsmaschen Cyberkriminelle anwenden, können Sie im Beitrag „Phishing-Mails: Erste-Hilfe-Anleitungen nach Betrugsfällen durch Phishing“ nachlesen.

5. Versteckte URLs: Auf Social Media kommt es häufig vor, dass URLs verkürzt angezeigt werden. Das ist nicht unbedingt ein Zeichen für einen Betrug. Allerdings lässt sich dadurch auch schwer erkennen, wohin der Link tatsächlich führt. Er kann Sie auf die gewünschte Website weiterleiten – oder aber auf eine Betrugsseite, die Schadsoftware auf Ihren Computer lädt. Daher ist es ratsam, ein Antivirenprogramm zu installieren, sodass Sie unbesorgt auf Facebook und Co. surfen können.

„Für sämtliche Altersgruppen gilt es, mit Skepsis an alle Dinge im Internet heranzutreten, bei denen es zu unerwarteten Zahlungsaufforderungen oder Eingriffen in die Privatsphäre kommt“, rät Declan Hiscox. „Bei Unsicherheiten sollte nach Möglichkeit zuerst bei jemand anderem nachgefragt und niemals voreilig gehandelt werden. Weichen Prozesse wie beispielsweise beim Banken-Phishing von üblichen Vorgängen ab, sollte Abstand von jeglichen weiteren Dateneingaben genommen werden“, so der Online-Experte. Sind Sie sich nicht sicher, wie Sie vorgehen sollen, bitten Sie um Rat. Plattformen wie www.watchlist-internet.at, www.saferinternet.at oder die Internet Ombudsstelle helfen bei Problemen.

Hinweis

Wie Sie sich auf Social Media wie etwa Facebook schützen können, wird auf oesterreich.gv.at erklärt.

Hinweis

Eine Broschüre von SaferInternet.at informiert Seniorinnen und Senioren – neben anderen Themen – über sichere Kommunikation in Sozialen Netzwerken. An den Wiener Volkshochschulen werden laufend Kurse zu Online-Themen speziell auch für ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeboten.

Letzte Aktualisierung: 22. Oktober 2021

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria