Smart Home und KI – Symbiose oder Risiko?

KI-basierte Haushaltsgeräte sind bislang zwar noch nicht marktreif, aber keineswegs Zukunftsmusik. Wir erklären Ihnen, was solche künstlich intelligenten Smart-Home-Roboter können werden und welche Sicherheitsrisiken bestehen.
 

Transparente Kreissymbole für Smart-Home-Technologie
Smarte Technik und KI. Foto: Adobe Stock

„Smart Homes dienen in erster Linie dazu, den Komfort der Userin oder des Users zu erhöhen“, erklärte der IT-Experte Jürgen Pannosch von der TU Wien im Interview mit onlinesicherheit.gv.at. Solche Systeme ermöglichen die Automation verschiedener Anwendungen innerhalb der eigenen vier Wände, was jedoch nicht nur dem Komfort dient, sondern auch Energie spart und zu einer höheren Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner beiträgt. Sie können eigens konzipiert und mit verschiedenen Devices gekoppelt werden, sodass über voreingestellte „Wenn-Dann-Abfolgen“ – wenn etwa draußen die Sonne scheint, dann werden die Jalousien automatisch heruntergefahren – der Alltag erleichtert wird.

Hinweis

Das gesamte Interview mit Jürgen Pannosch vom Institut für Computer Engineering an der TU Wien finden Sie hier.

Künstliche Intelligenz (KI) im Smart Home

Mit dem Einsatz von KI-Technologien würden derartige Automatisierungen noch ein ganzes Stück smarter. Künstlich intelligente Systeme sind in der Lage zu lernen und wären damit nicht mehr an starre „Wenn-Dann-Abfolgen“ gebunden. Sie identifizieren die Bewohnerinnen und Bewohner eines Haushalts beispielsweise anhand bestimmter Bewegungsmuster, der Größe oder des Gewichts, ziehen mittels aufgezeichneter Verhaltensmuster Rückschlüsse auf die vermutlich gewünschte Raumtemperatur, Lichtverhältnisse oder die bevorzugte Musik eines Menschen und entwickeln ihr Handeln dadurch weiter. Aus den gesammelten Informationen erstellen künstliche Intelligenzen also Nutzerprofile der Bewohnerinnen und Bewohner und setzen das Erlernte automatisch um. Das geht so weit, dass die KI im Smart Home sogar das Badewasser einlassen könnte, wenn sie erhöhten Stress bei einer Nutzerin oder einem Nutzer vermutet. Außerdem könnten die Herzschlagfrequenz oder andere gesundheitliche Parameter gemessen und bei gravierenden Abweichungen von den Normwerten ein Notfallalarm ausgelöst werden. Besonders für Seniorinnen und Senioren wäre dies eine große Hilfe.

Die Steigerung des Komforts ist aber nicht die einzige denkbare Aufgabe künstlicher Intelligenzen – ebenso könnten sie für die Überwachung fehleranfälliger Systeme (etwa Alarmanlagen) im Smart Home zuständig sein, um Ausfälle zu vermeiden und das intelligente Zuhause noch sicherer zu machen.

Hinweis

Smart Homes helfen nicht nur beim Energiesparen, sondern bieten auch Schutz vor Einbrüchen. Weitere Informationen erhalten Sie im Beitrag „Smart-Home-Systeme für die Familie: Anwendungen und Sicherheit“ und „Mit Smart Devices gegen Einbruch: Sicher im Smart Home“.

KI-basierte Haushaltshilfe noch nicht erhältlich

Noch sind solche Systeme zwar nicht marktreif, ihre Umsetzung liegt aber keinesfalls in ferner Zukunft. Bereits im Jahr 2020 stellte etwa der Technologie-Riese Samsung auf der größten Elektronikmesse der Welt, der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, den „Ballie“ vor. Dieser kleine KI-Roboter hätte eine KI-basierte Unterstützung im Haushalt, gleichzeitig aber auch Fitnesstrainer oder Hundesitter sein sollen, der ständig und eigenmächtig auf der Suche nach neuen Aufgaben ist. Er wäre außerdem in der Lage gewesen, diese Aufgaben an andere smarte Geräte im Haushalt wie etwa den Saugroboter zu delegieren beziehungsweise das gesamte Smart Home zu kontrollieren. Wie schon im Fall des Begleitroboters „Jibo“ des Unternehmens NTT Disruption wurde die Produktion des Samsung Ballie aber gar nicht erst aufgenommen.

KI im Smart Home als Sicherheitsrisiko

Warum eigenständig lernende künstliche Intelligenz bislang noch nicht in Smart Homes integriert wurde, ist einfach erklärt: Die Technologie dahinter ist nicht ausgereift und noch zu risikobehaftet, um wirklich eine Erleichterung im Alltag zu sein. Aufgrund der fehlenden Möglichkeiten, künstliche Intelligenzen ausreichend zu verstehen und zu regulieren, weisen Technologie-Expertinnen und -Experten auf die Gefahr eines Kontrollverlustes hin – nicht ohne Grund wurde von führenden Fachleuten gerade erst eine sechsmonatige, internationale Denkpause in der KI-Forschung gefordert. Expertinnen und Experten wie der Tesla-CEO Elon Musk warnen unter anderem vor „Generativer KI“, die menschliches Verhalten in Form von Text oder Bild simulieren und in weiterer Folge Propaganda und Fake News verbreiten kann.

Hinweis

Kürzlich sorgte ein gefälschtes, mittels KI erstelltes Interview mit der Formel-1-Legende Michael Schumacher in der deutschen Zeitschrift „Die Aktuelle“ für Aufregung. Selbst das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist nicht vor KI-Manipulationen sicher: Auch das viral gegangene Foto von Papst Franziskus im weißen Daunenparka wurde von einer künstlichen Intelligenz erzeugt. Beide dieser Fakes waren für Internet-Userinnen und -User mit freiem Auge kaum als Fälschung zu erkennen. Wie bereits verfügbare KI-Anwendungen wie ChatGPT funktionieren, lesen Sie im Beitrag „KI-Textgeneratoren: So funktionieren AI-Anwendungen wie ChatGPT und Co.“.

Auch das Thema Datensicherheit spielt hier eine wichtige Rolle. Für ein Mindestmaß an Sicherheit im Zusammenhang mit digitalen Geräten – vor allem wenn es sich dabei um KI-Technologie oder Smart-Home-Geräte handelt – sollten Sie daher

  • regelmäßig Updates Ihrer smarten Endgeräte durchführen, um die Sicherheitseinstellungen auf dem neuesten Stand zu halten, sowie
  • sichere Passwörter und Zugangsdaten wählen, die nicht leicht zu knacken sind.

Bis KI-gestützte Geräte für das eigene Smart Home in unbedenklicher Form auf den Markt kommen, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Bis dahin bieten bereits erhältliche smarte Haushaltsgeräte immerhin eine Steigerung des Komforts für Bewohnerinnen und Bewohner.

Tipp

Leben Sie in einem Smart Home? Dann sollten Sie Ihre Geräte immer vor fremden Zugriffen schützen. Wie Sie das machen, erfahren Sie im Beitrag „Sicherheit im Smart Home: So schützen Sie Ihre Geräte.

Letzte Aktualisierung: 2. Mai 2023

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria