Phishing mit KI erkennen: So schützen Sie sich

Künstliche Intelligenz macht Phishing-Nachrichten professioneller, glaubwürdiger und persönlicher. Erfahren Sie, woran Sie moderne Phishing-Angriffe erkennen und wie Sie sich vor KI-gestütztem Phishing schützen können.

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Foto: Adobe Stock

Phishing ist ein bekanntes Problem der Online-Sicherheit. Entsprechend gibt es zahlreiche Empfehlungen dazu, wie man Phishing-Inhalte, beispielsweise über E-Mail oder SMS, erkennt und sich davor schützt. Doch wie hat Künstliche Intelligenz (KI) die Inhalte und Taktiken von Phishing verändert?

Fast jeder, der eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer besitzt, hat schon einmal eine suspekte oder betrügerische Nachricht erhalten. Lange konnte man darauf vertrauen, dass sich solche Nachrichten anhand bestimmter Merkmale relativ leicht erkennen lassen, solange es sich nicht um eine gezielte Attacke handelt, von der die meisten Nutzerinnen und Nutzer kaum betroffen sind. Doch gilt das heute noch? Lassen sich Phishing-Inhalte tatsächlich noch so leicht erkennen?

Durch die Fortschritte der Künstlichen Intelligenz sind viele typische Anzeichen eines Phishing-Versuchs verschwunden oder zumindest deutlich weniger zuverlässig geworden. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie KI Phishing verändert hat und welche Auswirkungen dies auf Ihre Sicherheit hat.

Wie aktuell sind typische Anzeichen noch?

Als typische Anzeichen von Phishing gelten schon lange dieselben Merkmale:

  • Grammatik- und Rechtschreibfehler
  • ein ungewöhnlicher Aufbau einer E-Mail
  • zusätzliche Leerzeichen oder Tabs
  • keine persönliche oder eine falsche persönliche Ansprache
  • ein unnatürlicher Schreibstil
  • eine verdächtige Absenderadresse
  • Drohungen
  • Zeitdruck und Dringlichkeit
  • suspekte Links
  • unerwartete Anhänge

Doch manche dieser typischen Anzeichen, die es Nutzerinnen und Nutzern auf den ersten Blick ermöglicht haben, Phishing-E-Mails als solche zu erkennen, sind heute praktisch verschwunden. Mit KI können Betrüger in sehr vielen Sprachen überzeugende und grammatikalisch korrekte Texte verfassen. Auch der Ton kann professionell wirken und dadurch von möglichen inhaltlichen Fehlern ablenken. Ebenso ist es durch KI deutlich einfacher geworden, E-Mails sowohl optisch als auch sprachlich glaubwürdig und professionell zu gestalten.

Zwar wird auch weiterhin Druck eingesetzt, um Opfer zu einer schnellen Handlung zu bewegen. Dieser Druck kann jedoch deutlich professioneller und glaubwürdiger formuliert werden als früher. Dadurch fällt er möglicherweise weniger auf und kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die geforderte Handlung tatsächlich ausgeführt wird. Das bedeutet nicht, dass Grammatikfehler, eine verdächtige Absenderadresse oder ein ungewöhnlicher Aufbau keine Warnzeichen mehr sind. Sie können weiterhin wichtige Hinweise sein. Man sollte sich jedoch nicht mehr darauf verlassen, dass eine Phishing-Mail solche offensichtlichen Fehler enthält.

Hinweis

Mehr Informationen darüber, wie Cyberkriminelle künstliche Intelligenz für Online-Betrug nutzen, finden Sie in dem Beitrag „Cyberangriffe mittels KI: Neue Gefahren aus dem Netz“.

Worauf sollte man stattdessen achten?

Vor allem sollte man beim Erkennen von Phishing auf das eigene Bauchgefühl und auf die Absicht der Nachricht achten.

Fragen Sie sich: Warum bekomme ich diese Nachricht und was soll ich jetzt tun?

Beispielsweise ist es nicht unbedingt verdächtig, wenn eine E-Mail darauf hinweist, dass Sie eine Kollegin oder einen Kollegen in ein bis zwei Monaten telefonisch kontaktieren sollen, ohne dafür direkt eine Telefonnummer anzugeben. Wenn die Nachricht hingegen Dringlichkeit und Druck erzeugt und Sie auffordert, eine bestimmte, in der Nachricht angegebene Nummer sofort anzurufen, sollten Sie genauer hinschauen.

Phishing-Nachrichten setzen häufig auf Dringlichkeit und Druck, um Sie davon abzuhalten, mit jemandem darüber zu sprechen oder in Ruhe darüber nachzudenken, ob die Nachricht tatsächlich glaubwürdig ist. Außerdem ist meistens eine der folgenden drei Taktiken enthalten:

  • Sie werden aufgefordert, mit jemandem auf eine bestimmte Art und Weise Kontakt aufzunehmen. Beispielsweise sollen Sie eine bestimmte Telefonnummer anrufen oder auf eine Nachricht antworten.
  • Sie werden aufgefordert, einen Link anzuklicken. Dieser kann beispielsweise zu einer gefälschten Login-Seite führen, auf der Ihre Zugangsdaten abgefragt werden, oder Schadsoftware verbreiten.
  • Sie sollen dazu verleitet werden, einen Anhang zu öffnen. Dieser kann beispielsweise mit Schadsoftware infiziert sein.

Gerade wenn eine Nachricht eine dieser Handlungen verlangt, sollten Sie sich fragen, ob Sie diese Anfrage tatsächlich erwartet haben und ob sie zum bisherigen Kontakt mit der betreffenden Person oder dem Unternehmen passt.

Verdächtige Inhalte

Auch wenn manche klassischen Anzeichen weniger zuverlässig geworden sind, gibt es weiterhin Hinweise, auf die man achten sollte.

  • Eine verdächtige Absenderadresse bleibt beispielsweise ein wichtiges Warnsignal. Allerdings kann auch dieses Merkmal nicht alleine darüber entscheiden, ob eine Nachricht echt ist. Cyberkriminelle können Absenderadressen nachahmen oder unter Umständen bereits kompromittierte Konten verwenden.
  • Auch Links und Anhänge sollten weiterhin genau überprüft werden. Bei Links kann beispielsweise die tatsächliche Zieladresse verdächtig sein. Bei wichtigen Konten empfiehlt es sich, die schon bekannte Website selbst aufzurufen, anstatt einen Link aus einer Nachricht zu verwenden.
  • Neu beziehungsweise zunehmend relevant ist außerdem, dass KI-generierte Texte nicht unbedingt schlecht geschrieben sein müssen. Gleichzeitig können Formulierungen auffällig allgemein, übertrieben professionell oder für die konkrete Situation unpassend wirken. Auch wiederholte oder ungewöhnliche Formulierungen können auffallen. Wichtig ist dabei jedoch: Es gibt kein eindeutiges „KI-Merkmal“, anhand dessen man sicher feststellen kann, dass eine Nachricht mit KI erstellt wurde. Ein professionell formulierter Text kann genauso von einem Menschen stammen.

Neue Arten von Phishing

Phishing findet schon lange nicht mehr ausschließlich über E-Mail statt. Auch SMS, soziale Netzwerke und Messaging-Dienste werden für Phishing-Versuche verwendet. Durch KI können solche Nachrichten einfacher personalisiert und an unterschiedliche Situationen angepasst werden.

Auch Telefonanrufe können durch KI verändert werden. Mithilfe sogenannter Voice-Cloning-Technologien können Stimmen nachgeahmt werden. Dadurch kann beispielsweise ein Anruf scheinbar von einer bekannten Person stammen, obwohl tatsächlich jemand anderes dahintersteckt. Auch sogenannte Deepfakes können für Betrugsversuche eingesetzt werden. Dabei können Bilder, Videos oder Stimmen so verändert oder erzeugt werden, dass eine Person scheinbar etwas sagt oder tut, was tatsächlich nie passiert ist.

Dadurch wird es zunehmend schwieriger, sich ausschließlich auf die scheinbare Identität einer Person zu verlassen. Wenn beispielsweise telefonisch dringend Geld oder vertrauliche Informationen verlangt werden, sollte die Anfrage über einen anderen, bereits bekannten Kommunikationsweg überprüft werden.

Hinweis

Wie Deepfakes und Voice Cloning eingesetzt werden und wie Sie die Fälschungen erkennen, erfahren Sie in folgenden Beiträgen:

Phishing wurde billiger und effizienter

Durch KI haben Betrüger einen massiven Vorteil gewonnen. Früher hat es sich meist nicht ausgezahlt, personalisierte Phishing-Mails für einzelne Personen zu erstellen, wenn die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs beziehungsweise der mögliche Gewinn bei einem erfolgreichen Angriff den zusätzlichen Aufwand nicht rechtfertigte.

Durch KI können Phishing-Betrüger heute deutlich einfacher, billiger und schneller Phishing-Inhalte erzeugen, die sogar personalisiert und in der richtigen Sprache verfasst sind. Dadurch können massenhaft Phishing-Inhalte generiert und an Opfer ausgesendet werden. Nicht nur die Qualität einzelner Phishing-Nachrichten kann sich dadurch verbessern, sondern auch ihre Quantität deutlich erhöht werden.

KI ermöglicht es somit, dass Betrüger nicht mehr unbedingt zwischen vielen schlecht gemachten Nachrichten und wenigen aufwendig personalisierten Nachrichten wählen müssen. Stattdessen können auch große Mengen an Nachrichten erstellt werden, die trotzdem auf bestimmte Personen oder Situationen zugeschnitten sind. Das macht Phishing auch für Angriffe interessanter, bei denen persönliche Informationen über ein mögliches Opfer verwendet werden. Öffentlich zugängliche Informationen können beispielsweise dazu beitragen, eine Nachricht glaubwürdiger und persönlicher wirken zu lassen.

Was bedeutet das für Ihre Sicherheit?

Die wichtigste Veränderung durch KI ist daher nicht unbedingt, dass Phishing völlig neue Formen angenommen hat. Vielmehr werden bekannte Methoden professioneller, schneller und besser auf einzelne Personen zugeschnitten.

Eine Nachricht ist deshalb nicht automatisch sicher, nur weil sie:

  • grammatikalisch korrekt geschrieben ist,
  • professionell gestaltet wurde,
  • Ihren Namen verwendet,
  • in der richtigen Sprache verfasst ist,
  • von einer scheinbar bekannten Person stammt oder
  • keine offensichtlichen Fehler enthält

Stattdessen sollte die gesamte Situation betrachtet werden. Stellen Sie sich die folgenden Fragen:

  • Habe ich diese Nachricht erwartet?
  • Ist die geforderte Handlung plausibel?
  • Warum soll ich genau jetzt handeln?
  • Warum soll ich diesen Link verwenden oder diese Nummer anrufen?
  • Würde die betreffende Person oder das Unternehmen tatsächlich auf diese Weise vorgehen?

Wenn Sie Zweifel haben, nehmen Sie sich Zeit. Klicken Sie nicht sofort auf Links, öffnen Sie keine unerwarteten Anhänge und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Überprüfen Sie die Anfrage stattdessen über einen unabhängigen Kommunikationsweg. Verwenden Sie dafür nicht die Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder den Link aus der verdächtigen Nachricht, sondern bereits bekannte oder selbst recherchierte Kontaktdaten.

Hinweis

Falls Sie Opfer einer Phishing-Attacke geworden sind, finden Sie schnelle Hilfe und erste Schritte in dem Beitrag „Phishing-Mails: Erste-Hilfe-Anleitung nach Betrugsfällen durch Phishing“.

Letzte Aktualisierung: 6. November 2026

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria