Phishing-Welle im Namen des Finanzministeriums nutzt Familienbeihilfe als Köder

Datenmissbrauch, unrechtmäßige Umleitungen und ausbleibende Auszahlungen der Familienbeihilfe – mit diesem Bedrohungsbild gehen Kriminelle momentan auf Beutezug. Sie geben sich in einer E-Mail als Finanzministerium aus und wollen so an die Onlinebanking-Logindaten ihrer Opfer gelangen.

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Foto: Adobe Stock

Angeblich bald ablaufende ID-Austria-Registrierungen sind einer der Dauerbrenner im Phishing-Bereich. Österreichische Ministerien und ihre öffentliche Relevanz dienen dabei als „Tarnung“ und vermeintliche Legitimation. Daneben wurde in den letzten Wochen besonders der „Klimabonus“ als Köder gepusht. 

Aktuell zeigen sich die ersten Vorboten einer neuen Phishing-Welle im Namen des Finanzministeriums. Diesmal im Zentrum: die Familienbeihilfe. Ziel des Betrugsversuchs sind Zugangsdaten für Onlinebanking. Wie die Kriminellen an diese herankommen wollen, zeigt der vorliegende Artikel.

Familienbeihilfe: Die Phishing-Nachricht

Das Vorgehen der Kriminellen ist altbekannt, die Masche funktioniert, wie so viele anderen vor ihr auch schon funktioniert haben. 

  • Alles beginnt mit einer E-Mail. Darin ist zu lesen, dass an einige Bezugsberechtigte keine Familienbeihilfe ausbezahlt werden konnte.

  • Der Grund dafür sei die unrechtmäßige Beantragung oder Umleitung der staatlichen Unterstützungsleistungen auf fremde Konten – durch den Missbrauch persönlicher Daten.

  • Um weitere Probleme zu verhindern, sollen die Empfäger/innen ihre persönlichen Daten und Kontoinformationen auf Richtigkeit überprüfen. Und das bis zum Ende der laufenden Woche. Geschieht das nicht, können zukünftige Überweisungen leider nicht garantiert werden.

  • Um die Überprüfung zu starten, soll ein in der E-Mail integrierter Link angeklickt werden: „Jetzt Daten überprüfen und sichern".

Wichtiger Hinweis zur Sicherheit Ihrer Daten

Liebe Nutzerin, lieber Nutzer,

In den letzten Wochen haben wir leider eine Zunahme von Fällen festgestellt, bei denen persönliche Daten missbraucht wurden, um staatliche Unterstützungsleistungen für Familien unrechtmäßig zu beantragen oder umzuleiten. 

Konkret haben wir beobachtet, dass in einigen Fällen die finanzielle Hilfe an fremde Konten überwiesen wurde. Dies hatte zur Folge, dass mehrere berechtigte Haushalte die ihnen zustehenden Zahlungen in diesem Monat nicht erhalten haben.

Um weitere Unregelmäßigkeiten zu verhindern, bitten wir Sie: Bitte überprüfen Sie noch heute Ihre persönlichen Daten und Ihre hinterlegten Kontoinformationen. Sollten Ihre Angaben unvollständig sein oder nicht bis zum Ende dieser Woche bestätigt werden, können wir die künftigen Überweisungen leider nicht mehr garantieren.

Die Überprüfung dauert nur wenige Minuten und hilft uns, Ihre Ansprüche effektiv zu schützen. Bitte nutzen Sie den folgenden Link, um den Vorgang abzuschließen:

[Jetzt Daten überprüfen und sichern]

Dieser Link ist für Sie persönlich bestimmt und bis zum Monatsende gültig.

Bundesministerium für Finanzen, Wien

Dies ist eine automatische Nachricht.

Wer tatsächlich diese Weiterleitung nutzt, landet auf einem Fakeportal, über welches die Drahtzieher nicht nur persönliche Informationen abfragen, sondern auch an die Login-Daten für das Onlinebanking ihrer Opfer kommen wollen.

Familienbeihilfe-Phishing: Das Fake-Portal

Das angebliche Prüfportal empfängt Besucher/innen mit einer kurzen Zusammenfassung der aktuellen Lage und weiteren Erklärungen bzw. Anweisungen. So ist dort etwa zu lesen:

„Diese Prüfung erfolgt einmalig über FinanzOnline. Ihre Angaben werden mit den bei der Familienbeihilfe hinterlegten Daten abgeglichen. Ohne vollständigen Abschluss kann die nächste Auszahlung nicht angewiesen werden.

Bitte füllen Sie das Formular vollständig aus und wählen Sie anschließend Ihre Bank, um die Identitätsprüfung fortzusetzen.“

Abgefragt werden klassische Dinge wie Vor- und Nachname, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, Telefonnummer und die Adresse. Als letztes Auswahlfeld wartet jenes für die „Bank“. In einem Drop-Down-Menü muss zunächst das passende Finanzinstitut gefunden werden. Je nach Auswahl öffnet sich ein vermeintliches Login-Fenster für das Onlinebanking des Opfers. Besagtes Fenster ist dem echten Portal der echten Bank detailgetreu nachempfunden. Eine zusätzliche Info soll mögliche Zweifel zerstreuen:

„Zur Identitätsprüfung ist die Verknüpfung Ihres Bankkontos erforderlich. Die Prüfung dauert in der Regel nur wenige Minuten.“

Das Ziel ist klar: Über den Fake-Login wollen die Betrüger/innen an den Usernamen und das Passwort des Opfers gelangen.

Falsches Familienbeihilfe Formular
Über dieses Formular wollen die Kriminellen an die Login-Daten ihrer Opfer. Foto: ÖIAT
Achtung

Vorsicht vor dem Recovery Scam! In Zusammenhang mit derartigen Betrugsfällen ist immer öfter eine zweite Phase zu beobachten. Kurz nach Abschluss der hier beschriebenen Masche melden sich angebliche Bankmitarbeiter/innen beim Opfer. Sie bieten Hilfe dabei an, die verlorenen Beträge wieder zurückzuholen. Tatsächlich wollen die Kriminellen aber nur weiter Geld aus den ohnehin bereits Geschädigten herauspressen.

Familienbeihilfe-Phishing. Daran ist die Betrugsabsicht zu erkennen

Da es sich bei der beschriebenen Masche „nur“ um die Variation einer klassischen Phishing-Falle handelt, ist sie relativ rasch als eine derartige zu entlarven. Die wichtigsten Punkte:

  • Absender: Als Absendername scheint zwar „Bundesministerium Finanzen“ auf, tatsächlich wurden die Phishing-Mails über die gehackten Server eines Unternehmens namens „Hirespace“ versendet. Die konkrete Absenderadresse lautet noreply@hirespace.com. In weiteren gemeldeten Varianten wurden die Server anerer Unternehmen wie zum Beispiel “Nanomed” (info@nanomed.cc) oder “Excelfixer” (developer@excelfixer.com) genutzt. Mit dem Betrug haben die Firmen natürlich nichts zu tun.

  • Domain: Die Adresse des vermeintlichen Prüfportals hat nichts mit dem österreichischen Finanzministerium zu tun. Sie lautet: finanzamt-familienbeihilfe-at.com und wurde erst am 18. August registriert – und zwar in Belgien.

  • Link: Ministerien und andere öffentliche Stellen versenden keine E-Mails mit integrierten Links, die auf dubiose Portale weiterleiten. Wer überprüfen möchte, ob in seinem User-Konto wirklich eine Nachricht wartet, sollte sich immer direkt auf dem offiziellen Portal selbst einloggen.

  • Druck: Die Nachricht erzeugt zeitlichen Druck, die Überprüfung der Daten soll bis spätestens Ende der Woche abgeschlossen sein. Die Empfänger/innen werden damit unter Stress gesetzt – und gestresste Menschen schauen nicht mehr so genau hin. Sie machen häufiger Fehler.

Hinweis

Verschiedene Variationen! Seit der ersten Meldung zu dem Fall hat die Redaktion weitere Beschwerden erhalten. Die verwendeten Texte unterscheiden sich dabei ein wenig voneinander, das oben angeführte Beispiel ist also nur eines von mehreren. Die grundlegende Geschichte (Probleme bei Auszahlung der Familienbeihilfe) und das Betrugsdesign (klassische Phishing-Falle für Onlinebanking-Logins) sind allerdings bei allen Varianten identisch.

Die Phishing-Falle hat zugeschnappt: Was tun?

Wer den Kriminellen ins Netz gegangen ist und sensible Daten an sie übermittelt hat, sollte so rasch wie möglich handeln:

  • Kontaktieren Sie Ihre Bank und schildern Sie die Situation! Die Expert/innen wissen, was zu tun ist und ob eventuell eine Kontosperre nötig ist.

  • Ändern Sie – sofern noch möglich – Ihr Passwort für das Onlinebanking!

  • Behalten Sie Ihr Konto in nächster Zeit gut im Auge! Sollten Sie ungewöhnliche Bewegungen entdecken, kontaktieren Sie sofort Ihre Bank!

  • Bleiben Sie wachsam! Die Kriminellen werden sehr wahrscheinlich versuchen, Sie mit einer anderen Masche zu ködern.

  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei!

Letzte Aktualisierung: 21. August 2026

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria