Neue Studie: KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche
Die Ergebnisse der neuen Jugendstudie von Saferinternet.at zeigen, dass KI-Chatbots zu wichtigen Begleitern werden, die Risiken und Wissenslücken bezüglich ihrer Funktionsweise jedoch unterschätzt werden.
ChatGPT ist klare Nummer eins bei Jugendlichen
Künstliche Intelligenz ist im Alltag der Jugendlichen angekommen: 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen verwenden KI-Chatbots. ChatGPT ist die mit Abstand beliebteste Anwendung und wird von 90 Prozent der Befragten genutzt. Vergleichbare Chatbots wie Gemini von Google (23 %) oder CoPilot von Microsoft (11 %) sind deutlich weniger beliebt. Knapp ein Viertel (24 %) der Befragten nutzt ChatGPT täglich, die älteren Befragten (30 %) mehr als die jüngeren (18 %). Über 40 Prozent geben an, ChatGPT zumindest mehrmals pro Woche zu nutzen.
Schule ist wichtigster Einsatzbereich von KI
Jugendliche sehen KI vor allem als wichtiges Werkzeug für die Schule: Fast drei Viertel (73 %) verwenden KI-Tools für schulische Zwecke und Hausaufgaben. Weiters werden KI-Tools unter anderem für das Suchen und Zusammenfassen von Informationen (47 %), für Erklärungen (34 %), zur Formulierung von Texten (27 %) und zum Lösen von Rechenaufgaben (20 %) verwendet.
Zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen (11 bis 14 Jahre und 15 bis 17 Jahre) zeigen sich dabei deutliche Unterschiede: Weibliche und ältere Jugendliche nutzen KI in allen Anwendungsbereichen häufiger. Im schulischen Bereich liegen weibliche Jugendliche (78 %) um 10 Prozentpunkte vor den männlichen (68 %).
Jugendliche fragen KI regelmäßig um Information und Rat
Nicht nur in der Schule, sondern im gesamten Alltag sind KI-Tools mittlerweile eine gefragte Anlaufstelle. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen (55 %) nutzt KI häufig oder gelegentlich, um sich Informationen und Ratschläge für verschiedene Lebensbereiche zu holen, zum Beispiel zu Freizeitgestaltung, Hobbys, Gesundheit oder Beziehungen. Ein knappes Drittel (31 %) verwendet KI-Tools, um Sorgen oder Probleme zu besprechen. Einem Viertel (26 %) dienen sie zum Stressabbau oder um Ärger loszuwerden.
Vier von zehn Befragten (40 %) empfinden es oft als hilfreicher, eine KI zu fragen als einen Menschen. Die Verfügbarkeit, also dass KI-Chatbots immer und zu jeder Zeit antworten, ist für Jugendliche der wichtigste Grund (59 %) für deren Verwendung. Darüber hinaus schätzen sie die Zeitersparnis (43 %) und die unkomplizierte Nutzung (39 %).
Chatbots übernehmen ähnliche Aufgaben wie Bezugspersonen
Auffällig ist die zunehmende Bedeutung von KI im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich. Fast ein Viertel (24 %) der Befragten nutzt KI zumindest manchmal, um freundschaftliche Unterhaltungen zu führen, knapp ein Fünftel (19 %) sogar für romantische Gespräche. Etwa drei von zehn Befragten sind der Meinung, dass KI eine Art Freundin oder Freund sein kann (29 %) und Trost zu spenden vermag (28 %). Über ein Viertel (26 %) glaubt, dass sich Jugendliche tatsächlich in einen Chatbot verlieben könnten. Das zeigt, wie attraktiv Chatbots für junge Menschen sind und welche Bedeutung sie im Alltag der Jugendlichen haben. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die bestätigende und gefällige Kommunikationsweise von KI-Chatbots. Dadurch wirken Chatbots oft empathisch und vermitteln scheinbares Verständnis.
Mittlerweile gibt ein Viertel der Jugendlichen (25 %) an, dass es ihnen leichter fällt, mit Chatbots über persönliche Themen zu sprechen als mit Menschen. Gleichzeitig sind ihnen die möglichen Schattenseiten der KI durchaus bewusst. „Wenn man sich schon von klein auf mit Problemen an die KI wendet, könnte es einem dann schwerer fallen, mit einer echten erwachsenen Person zu kommunizieren“, so eine Teilnehmerin aus den Fokusgruppen.
KI-Tools können aber auch helfen, Gespräche mit anderen Menschen vorzubereiten und zu üben. Bereits 23 Prozent der Befragten machen davon zumindest manchmal Gebrauch. In den Fokusgruppen schildern die Jugendlichen, dass sie mithilfe von KI vor allem heikle oder konfliktbeladene Gespräche vorbereiten – etwa, um mit Lehrkräften über als unfair empfundene Bewertungen zu sprechen, mit Eltern über schlechte Noten oder mit Freundinnen und Freunden bzw. in Beziehungen über Konflikte.
KI kann Hilfestellung von Menschen und professionelle Beratung nicht ersetzen
Die Mehrheit der Jugendlichen (57 %) ist der Ansicht, dass Chatbots häufig gute Ratschläge geben. Dennoch hat sich bereits fast jede fünfte befragte Person (18 %) aufgrund einer KI-Antwort unwohl gefühlt, wobei männliche Jugendliche (23 %) dies deutlich häufiger wahrnehmen als weibliche (13 %). Aus den Fokusgruppen geht hervor, dass unangenehme Erfahrungen etwa dadurch entstehen, dass Ratschläge zum Umgang mit Menschen als manipulativ empfunden werden oder Antworten negative Gefühle eher verstärken, statt zu entlasten.
Risiken werden von Jugendlichen unterschätzt
Das Vertrauen der Jugendlichen in KI ist groß: Mehr als die Hälfte (52 %) verlässt sich darauf, dass ChatGPT & Co korrekte Informationen liefern. Vier von zehn Befragten (40 %) überprüfen selten bzw. nie, ob die Ergebnisse tatsächlich stimmen.
Sorgen bereitet der Mehrheit der Jugendlichen (56 %), dass KI-Tools möglicherweise die Fähigkeit, selbständig über etwas nachzudenken, schwächen könnten. „Man wird irgendwie faul, wenn man alles fragen kann“, so eine Jugendliche in den Fokusgruppen.
Besorgniserregend ist auch, dass 28 Prozent der Befragten glauben, ihre Eingaben in KI-Chatbots seien vertraulich und könnten von niemandem eingesehen oder genutzt werden. Nahezu die Hälfte (48 %) geht davon aus, dass andere Jugendliche persönliche Daten mit KI-Systemen teilen. Mehr als ein Viertel (28 %) vertraut KI-Chatbots sogar intime Inhalte an.
Positive Einstellung gegenüber KI überwiegt
Insgesamt stehen Jugendliche Künstlicher Intelligenz überwiegend positiv beziehungsweise neutral gegenüber – sowohl mit Blick auf die Gesellschaft als auch auf den persönlichen Nutzen. Mehr als die Hälfte (55 %) sieht KI vor allem als Chance für sich selbst (als Gefahr: 7 %, teils, teils: 31 %). Damit schätzen sie KI für sich selbst positiver ein als für die Gesellschaft insgesamt (als Chance: 42 %, als Gefahr: 15 %, teils, teils: 35 %).
Klare Forderung nach mehr Bildung im Umgang mit KI
Jugendliche wünschen sich mehr Orientierung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz – das zeigt die Erhebung deutlich: Mehr als die Hälfte der Befragten (53 %) würde gerne besser verstehen, wie KI eigentlich arbeitet. Tatsächlich hat knapp die Hälfte der Jugendlichen (48 %) bislang noch nie die Funktionsweise von KI-Systemen altersgerecht erklärt bekommen.
Auch beim Thema Altersgrenzen positionieren sich die Jugendlichen eindeutig: Mehr als die Hälfte (53 %) spricht sich für eine Altersbeschränkung bei der Nutzung von KI-Chatbots aus. Davon halten die meisten Jugendlichen (39 %) eine Altersgrenze von 14 Jahren für sinnvoll.
Was das Erlernen von Kompetenzen im Umgang mit KI betrifft, sehen Jugendliche vor allem das Bildungssystem in der Verantwortung. Zwei Drittel (66 %) erwarten sich Unterstützung durch die Schule, ein Drittel (33 %) von den Eltern. Die Ergebnisse machen deutlich: Jugendliche wünschen sich nicht nur Regeln, sondern vor allem fundierte Bildung, um KI sicher und verantwortungsvoll nutzen zu können.
Über die Studie
Die Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“ wurde vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA – Internet Service Providers Austria im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at durchgeführt. Im Befragungszeitraum (Oktober/November 2025) nahmen 500 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren, repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildungshintergrund, teil. Zusätzlich wurden zwei Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen mit insgesamt 14 Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren durchgeführt.
Wir präsentieren unsere Studienergebnisse auch in einem Webinar am 25. Februar 2026!
Für den Inhalt verantwortlich: Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT)