Katwarn: Wie funktioniert das Warnsystem via App?

Im Katastrophenfall erhalten Nutzerinnen und Nutzer von Katwarn eine Warnung und entsprechende Verhaltensanweisungen direkt auf ihr Smartphone. Erfahren Sie, wie der kostenlose Dienst genutzt werden kann.

Symbolbild für Katwarn-App mit Achtung-Zeichen über Smartphone
Die Katwarn-App. Foto: Adobe Stock

Sirenen, Lautsprecher und Medien waren lange Zeit die einzigen Mittel, um die Bevölkerung im Katastrophenfall zu erreichen und über aktuelle Gefahren zu informieren. Mit „Katwarn Österreich“ gibt es seit dem Jahr 2017 eine Methode, mit der Bürgerinnen und Bürger noch schneller und zuverlässiger Informationen darüber erhalten, was geschehen ist und wie sie sich und andere in Sicherheit bringen können.

Der kostenlose Informations- und Warndienst wurde vom Bundesministerium für Inneres (BMI) entwickelt und kann als Smartphone-App heruntergeladen werden. Das digitale Warnsystem funktioniert aber auch als SMS- oder E-Mail-Dienst. Darüber hinaus wird Katwarn im öffentlichen Raum eingesetzt, etwa bei der Steuerung von Sirenen, von elektronischen Werbedisplays oder digitalisierten Informationstafeln öffentlicher Verkehrsbetreiber.

Wie funktioniert Katwarn?

Die App steht in den gängigen App-Stores für iPhone, Android und Windows Phone zur Verfügung und kann somit auch von ausländischen Besucherinnen und Besuchern in Österreich verwendet werden. Die angezeigten Informationen stammen je nach Art der Bedrohung von autorisierten Stellen, wie Polizeibehörden oder Einrichtungen des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements (SKKM).

Bei einer Warnung erscheint auf dem Smartphone-Display ein Text, der über den aktuellen Anlass informiert. Damit diese „Schutzengel“-Funktion genutzt werden kann, muss die Ortungsfunktion des Geräts aktiviert sein. Das liegt daran, dass die Warnungen ortsbezogen versendet werden. Wenn beispielsweise Hochwassergefahr entlang des Inn besteht, betrifft die entsprechende Warnung nur Menschen in diesem Gebiet, nicht aber im weit entfernten Burgenland.

Da Nutzerinnen und Nutzer oftmals auch erfahren möchten, ob Warnungen für den Aufenthaltsort von Verwandten, etwa der Kinder oder Großeltern, vorliegen, bietet die App die Möglichkeit, bis zu sieben weitere Orte auszuwählen, für die gegebenenfalls Warnungen angezeigt werden. Außerdem lässt sich über ortsunabhängige Themen-Abos feststellen, ob es beispielsweise auf einer laufenden Großveranstaltung zu Betriebsstörungen gekommen ist.

In der Übersicht der App können Sie sich ebenso über Warnungen in der weiteren Umgebung informieren, obwohl Sie selbst nicht betroffen sind und daher keine Benachrichtigung erhalten haben. So wissen Sie sofort Bescheid, wenn beispielsweise eine Rauchsäule am Horizont auftaucht und Sie sich erkundigen wollen, was geschehen ist.

Tipp

Eine Bedienungsanleitung mit ausführlichen Erläuterungen zu den einzelnen Warnfällen finden Sie im Nutzerhandbuch.

Ähnliche Warnsysteme in anderen EU-Ländern

Als Nutzerin oder Nutzer der Katwarn-App können Sie sich auch im EU-Ausland darauf verlassen, dass Sie für Ihren Aufenthaltsort aktuelle Warnungen erhalten. Das System ist nämlich innerhalb der EU mit den örtlichen Behörden vernetzt.

In Deutschland ist Katwarn bereits seit 2011 im Einsatz. Das vom Fraunhofer Institut entwickelte Warnsystem dient außerdem als Grundlage für den Dienst „Euwarn“, mit dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EU-Kommission in Echtzeit und ortsbezogen über aktuelle Katastrophenfälle und Gefahren informiert werden.

Auch das geplante EU-weite Warnsystem „EU-Alert“ ist in manchen Ländern bereits online. Durch die „Cell Broadcast“-Funktion, die in neueren Smartphone-Modellen vorinstalliert ist, können sogar jene Bürgerinnen und Bürger erreicht werden, die keine entsprechenden Apps nutzen. Auf dem Bildschirm wird dann eine Warnung angezeigt und es ertönt ein lauter Signalton. Bislang ist „EU-Alert“ in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Litauen, Rumänien und den Niederlanden in Betrieb. In Österreich ist das System unter dem Namen „AT-Alert“ in Planung.

Tipp

Welche spezifischen Cyberrisiken im Urlaub entstehen können und wie Sie sich am besten davor schützen, verrät unser Beitrag „IT-Sicherheit auf Reisen: Welche Risiken lauern, wenn man unterwegs ist?“.

Sichere Nutzung und Datenschutz

Wie bei allen anderen Smartphone-Apps sollten Sie auch bei der Nutzung von Katwarn bestimmte Sicherheitsregeln befolgen:

  • Laden Sie die App nur von den offiziellen App-Stores für Android, Apple und Windows Phone herunter.
  • Aktivieren Sie die automatischen Updates der App: Wenn Sicherheitslücken entstehen, werden diese von den Betreibern mittels Sicherheitsupdates geschlossen. Es ist daher empfehlenswert, diese Funktion zu nutzen.

Was die personenbezogenen Daten von Nutzerinnen und Nutzern betrifft, ist Katwarn auf Diskretion bedacht: Aus dem Nutzungsverhalten ist kein Rückschluss auf die Person möglich, ebenso wenig können Bewegungsprofile erstellt werden. Nach Angaben des BMI wurde das System unter Berücksichtigung größtmöglicher Datensicherheit und Anonymität konzipiert.

Allerdings kann die notwendige Aktivierung der Ortungsfunktion aus Sicht des Datenschutzes bedenklich sein. Die Standortdaten werden nämlich nicht nur mit Katwarn, sondern je nach Betriebssystem auch mit Apple, Google oder Windows und gegebenenfalls mit anderen App-Herstellern geteilt, die eine Zugriffsberechtigung auf Ihren Standort haben. Somit hat jede Nutzerin und jeder Nutzer selbst zu entscheiden, was für sie gerade wichtiger ist: Katastrophenschutz oder Datenschutz?

Hinweis

Allgemeine Sicherheitshinweise rund um den Download von Apps und Software bietet der Beitrag „Sicherer Download: So erkennt man den Software-Wolf im Schafspelz“.

Letzte Aktualisierung: 17. November 2023

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria