Jugendliche auf Social Media – Trends, Risiken und Tipps für Eltern

Instagram, Snapchat und TikTok haben einen fixen Platz im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Wer die Trends in sozialen Netzwerken kennt, kann sie auch bei möglichen Risiken unterstützen und stärken.

auf einem Laptopbildschrim werden die Facebook Einstellungen mit einer Lupe betrachtet
Jugendliche auf Social Media Foto: Adobe Stock

WhatsApp und YouTube sind die beliebtesten Social-Media-Plattformen bei Jugendlichen in Österreich. Das zeigt der Jugend-Internet-Monitor 2022 der Initiative Saferinternet.at. So tummeln sich über 95 Prozent der Jungen zwischen 11 und 17 Jahren auf WhatsApp und YouTube, bei den Mädchen sind es 94 Prozent. Auch Instagram (81 Prozent), Snapchat (70 Prozent) und TikTok (70 Prozent) rangieren unter den Top-5 der beliebtesten sozialen Netzwerke bei jungen Menschen. Discord (46 Prozent), die Messenger-App für Nachrichten, Chats und Videoanrufe, die für Computerspiele entwickelt wurde, ist mit einem Zuwachs von 13 Prozent seit dem Vorjahr stark am Aufholen. Die Online-Spieleplattform Roblox (21 Prozent) scheint heuer erstmals seit Beginn der Erhebungen (2016) im Rahmen des Jugend-Internet-Monitor auf. Vor allem bei Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren punktet Roblox (Mädchen 24 Prozent, Jungs 17 Prozent).

Barbara Buchegger, Mitarbeiterin der Initiative Saferinternet.at, erklärt diesen Trend so: „Auf Roblox gibt es Avatare, die man individuell gestalten kann. Das finden gerade jüngere Mädchen sehr attraktiv.“ Zudem fungiert Roblox als Metaversum für Kinder, also als Ort, an dem die Kinder sich durch den digitalen Raum bewegen, miteinander sprechen oder als Gruppe gemeinsam Zeit verbringen können.

Hinweis

Mit welchen Einstellungen Sie auf Social-Media-Plattformen Ihre Privatsphäre schützen können, erfahren Sie im Beitrag „Privatsphäre auf Social Media-Plattformen“.
Informationen für Eltern zu sozialen Netzwerken, die bei Jugendlichen beliebt sind, finden Sie auf Saferinternet.at unter: „Was ist …?“.

Wofür verwenden Jugendliche unterschiedliche Social-Media-Kanäle?

„Jugendliche diversifizieren in ihren Kommunikationskanälen“, sagt Buchegger. WhatsApp hält sie am Laufenden über Angelegenheiten, die beispielsweise die Schule, Familie oder den Sportverein betreffen. Auf YouTube gehen Jugendliche gezielter vor, suchen nach bestimmten YouTuberinnen und YouTubern oder beispielsweise in Tutorials die Antworten auf Fragen.

Instagram gibt einen Überblick über Neues hinsichtlich der Interessensgebiete. „Es ist die Zeitung ihres Lebens geworden, wo sie sich schnell ein Bild machen können, was in der Welt abgeht,“ sagt Buchegger. TikTok hat YouTube teils als Unterhaltungsmedium abgelöst. Darüber hinaus nutzen Jugendliche Instagram und TikTok als Partnerbörse, um neue Leute kennenzulernen, so Buchegger.

Snapchat verwenden Jugendliche, anders als das öffentliche Instagram und TikTok, als privates Kommunikationsmittel, versenden Snaps und sogenannte Snap-Streaks an konkrete Personen und Freunde. Snap-Streak heißt so viel wie Snap-Serie oder Snap-Reihe und bedeutet, dass sich zwei Userinnen oder User spätestens alle 24 Stunden ein Foto oder Video über die Plattform schicken. Wird die Serie unterbrochen, wird der Streak gelöscht.

Schließlich finden sich Jugendliche in Discord häufig zusammen, um im virtuellen Wohnzimmer gemeinsamen Hobbies und Interessen nachzugehen. Dass doppelt so viele Jungs (61 Prozent) wie Mädchen (30 Prozent) auf Discord zu finden sind, zeigt einen Gendergap in der Nutzung von manchen sozialen Netzwerken bei den Jugendlichen.

Tipp

Im Beitrag „Schönheitsideale im Internet – was steckt hinter den Filtern auf Social Media“ erfahren Sie mehr über problematische Aspekte von Schönheitsfiltern in sozialen Netzwerken.

Social Media: mögliche Risiken und positive Aspekte für Kinder und Jugendliche

Die Forschung ist sich uneinig über die Auswirkungen von Social Media auf die Gesundheit von Jugendlichen. Inwiefern sich Heranwachsende von sozialen Medien beeinflussen lassen, „hängt stark von ihrer individuellen Situation und Gefühlslage ab. Wie schaut ihr Leben insgesamt aus? Wie zufrieden sind sie mit den Erfolgen in der Schule, im Beruf oder mit Freunden?“, meint Buchegger.

Neben gesundheitlichen Problemen, würde jedoch jede Social-Media-Plattform ausrichtungsbezogene Gefahrenpotentiale bieten. Bei WhatsApp sind es die Inhalte in WhatsApp-Gruppen, sagt Buchegger. Derzeit würden sich etwa nationalsozialistische Inhalte als sogenannte Sticker in WhatsApp verbreiten, weiß die Expertin. Meist seien es 10- bis 12-Jährige, die mithilfe der geteilten Inhalte Aufmerksamkeit erregen wollen, ohne die Konsequenzen zu kennen.

In Instagram würde etwa Bodyshaming (also die Diskriminierung, Beleidigung oder Demütigung von Menschen aufgrund ihrer körperlichen Erscheinung) zu einer Verringerung des Selbstvertrauens sowie zu körperlichen und psychischen Erkrankungen führen.

Und auf der Plattform TikTok wären Geldfallen ein Problem. „Über TikTok Live kann ich meinen Stars ein Geschenk machen, wo ich mit echtem Geld zum Beispiel einen Pandabären kaufe und verschenke.“, erklärt Buchegger mögliche Gefahrenquellen.

Die Zeit der Pandemie hat Eltern aber auch die Bedeutung von Online-Freundinnen und Freunden verdeutlicht, sagt Buchegger: „Wenn ich mich in diesen zwei Jahren stärker verändert und neue Interessen aufgenommen hab, war nur Social Media der Ort, wo ich Gleichgesinnte mit genau diesen Inhalten und Ideen kennenlernen konnte.“ Gerade in schwierigen Phasen bieten Online-Freundschaften eine soziale Stütze. Daher rät Buchegger: „Eltern, schaut nicht weg! Ignoriert das nicht. Nehmt die Online-Bekanntschaften eurer Kinder ernst, denn sie sind wichtig für sie!“

Hinweis

Für Beleidigungen und Urheberrechtsverletzungen auf Social Media können Userinnen und User zur Verantwortung gezogen werden. Nähere Informationen hierzu finden Sie im Beitrag „Beleidigende Postings, böse Kommentare: Wofür man auf Social Media haftet“. Wie Social-Media-Konten vor Fremdzugriffen geschützt werden können und warum Zugangsdaten nicht im Browser gespeichert werden sollten, erfahren Sie im Beitrag „Ein Social-Media-Profil wurde gehackt – was kann man tun?“.

Social-Media-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen: Tipps für Eltern

Da es schwer wäre Kinder gänzlich vor den Gefahren der Social-Media-Welt zu bewahren, müssen Eltern ein Auge auf die Social-Media-Nutzung ihres Nachwuchses haben. Selbst Kinder, die kein eigenes Smartphone besitzen, nutzen solche Plattformen und können auf Inhalte stoßen, die ihnen Angst machen oder sie verunsichern, meint Buchegger.

Daher gelte es für Eltern, die Kinder zu begleiten, zu wissen, welche Netzwerke sie verwenden und diese selbst auszuprobieren. Auf diese Weise können Eltern in Krisenfällen ihren Kindern als bessere Ansprechpersonen zur Seite stehen. Dies wäre deutlich sinnvoller als Kinder von sozialen Netzwerken fernhalten zu wollen, meint die Expertin: „Wenn ich mich mit den Kindern nicht nur über die Schule unterhalte, sondern auch darüber, was auf Instagram oder TikTok passiert und wir gemeinsam Inhalte anschauen, werden sie sich eher an mich als Elternteil wenden, wenn sie irgendwas finden, das sie verstört, ihnen unangenehm ist oder das sie nicht einordnen können.“

Zudem würden Mädchen und Jungs in sozialen Netzwerken häufig unterschiedlich von der Gesellschaft bewertet. Eine Umfrage zum Thema Cybermobbing 2022 zeigt, dass Mädchen insgesamt viel öfter von Cybermobbing betroffen sind. Eltern sollten ihre Töchter daher bei der Nutzung sozialer Medien unterstützen und sie darin bestärken, negative Kommentare nicht persönlich zu nehmen.

Tipp

Auch heuer werden Mädchen am internationalen Aktionstag Girls‘ Day eingeladen, verschiedene Arbeitsplätze und Berufsfelder kennenzulernen. Aus diesem Anlass finden Ende April in allen Bundesländern Österreichs Veranstaltungen und Workshops für Mädchen statt. Barbara Buchegger hält in Wien einen Workshop mit Mädchen zum Thema „Berufe und Internet“. Mehr Informationen hierzu finden Sie auf der Webseite des Bundeskanzleramtes.

Letzte Aktualisierung: 11. April 2022

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria