Fake-Fahrzeugbericht: Diese Falle wartet beim Online-Autoverkauf!
Wer online ein KFZ verkaufen möchte, erhält oft seltsame Anfragen. Bestehen Interessent/innen auf der Erstellung eines zusätzlichen Prüfberichts und liefern gleich die dafür passende Website mit, ist allerhöchste Vorsicht angebracht!
Ein weiterer Eintrag auf der langen Liste der Betrugsversuche rund um den privaten KFZ-Verkauf im Internet. Diesmal im Zentrum: Online-Gutachten zum angebotenen Fahrzeug. Ohne ein derartiges wollen die Interessent/innen nicht kaufen. Glücklicherweise liefern sie die angeblich beste Seite für derartige Gutachten gleich mit. Das Problem: Eine aussagekräftige und tatsächlich zertifizierte Zusammenfassung über den Zustand des Fahrzeuges gibt es hier nicht. Stattdessen zahlen die Verkäufer/innen gutes Geld für ein unterm Strich wertloses Dokument.
Fake-Fahrzeugbericht: So läuft die Masche ab
Die Kriminellen durchforsten Online-Verkaufsbörsen für KFZ und reagieren auf ein beliebiges Inserat. Sie heucheln Kaufinteresse und tischen eine vorbereitete Geschichte auf. Das Ziel: Das potenzielle Opfer soll einen Prüfbericht zum Zustand des Fahrzeugs erstellen lassen – und zwar auf der von den Kriminellen vorgeschlagenen Website.
Der Redaktion liegen Chat-Protokolle eines derartigen Austauschs vor. Nachdem sich beide Seiten auf einen Kaufpreis geeinigt haben, wenden sich die Betrüger/innen mit einer letzten Bitte an ihr Gegenüber.
Also, ich komme von weit her und habe nur eine Bitte… Wenn du kannst, mach mir btite den Gefallen und schick mir die Historie vom Auto. Du musst nur das Kennzeichen auf finpruefung.de eingeben, dort bekommst du alles – Unfälle, km, Vorbesitzer. Sobald du mir das schickst, organisiere ich mich sofort und komme vorbei, dann machen wir das in Ruhe klar.
Auf besagter Website muss das Opfer dann das Kennzeichen des Autos eingeben. Danach startet ein vermeintlicher Suchvorgang, an dessen Ende ein Bericht erstellt wird. Zugesendet wird dieser allerdings erst nach einer Zahlung von 19,99 Euro via Kreditkarte. Der Mechanismus findet übrigens wenig überraschend auch bei der Suche nach einem Fantasiekennzeichen „bisherige Daten“.
Durch den Kauf übermittelt das Opfer außerdem seine Kreditkarteninformationen an die Kriminellen. In manchen Fällen wurde zusätzlich vom unbemerkten Abschluss eines kostspieligen Abos berichtet.
Typisch für derartige Betrugsmaschen ist der Plan der Kriminellen, ihre Opfer aus der Verkaufsplattform hinaus und in einen Messenger wie etwas WhatsApp zu locken. Dort greifen nämlich keinerlei Sicherheitsmechanismen, die auf der Original-Plattform Missbrauch verhindern sollen.
Daran sind die Fake-Portal zu erkennen
Derartige Portale versuchen das bestehende Vertrauen in etablierte Marken und Magazine zu nutzen. Dafür platzieren sie deren Logos auf ihrer Website und erwecken so an den Anschein, als hätten besagte Magazine bereits über ihr Unternehmen berichtet. Im konkreten Fall sind dafür vier Marken im Einsatz:
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Bei hotnews.ro handelt es sich um ein rumänisches Nachrichtenportal. Einen Eintrag zu „finpruefung.de“ findet man dort nicht.
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„Playtech“ ist ein ebenso rumänisches News-Portal aus dem IT-Bereich. Verbindung zu „finpruefung.de“? Fehlanzeige!
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Das „TopGear“-Logo gehört zu einer der bekanntesten und erfolgreichsten britischen TV-Sendung über Autos. Auch hier konnte kein Konnex zu „finpruefung.de“ ermittelt werden.
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Selbiges gilt für das Logo der „Auto Bild“. Die große deutsche Illustrierte aus dem Auto- und Motor-Bereich hat nichts mit dem Fake-Portal zu tun.
Dazu kommen die angeblich über 500.000 zufriedenen Kund/innen auf der ganzen Welt. Für ein Portal, das erst seit wenigen Wochen online ist, eine durchaus „sportliche“ Anzahl – oder genauer gesagt: Ausnahmslos erfunden. Also eine Lüge. Die Website weist zudem kein Impressum auf, die Domain ist sehr „jung“ und wurde erst am 22. April 2026 upgedatet.
Weiterer Betrugsbeweis: Identitätsdiebstahl! Das Profilfoto des WhatsApp-Acocunts, mit dem die Kriminellen im konkreten Fall ihr Opfer kontaktiert haben, zeigt einen italienischen Unternehmer und dessen Familie. Eine Reverse Image Search über Google hat das entsprechende Ergebnis geliefert.
Der vermeintliche Prüfbericht: Viel Geld für nichts
Im konkreten Fall hat der Verkäufer die Masche rechtzeitig durchschaut und den Kontakt abgebrochen. In einem anderen gemeldeten Betrug hat das Opfer den vermeintlichen Test aber tatsächlich durchgeführt, einen Bericht erhalten und dafür 40 Euro bezahlt. Besagter Bericht liegt der Redaktion vor. Tatsächlich finden sich in dem Dokument ausnahmslos Informationen, die auch in der originalen Verkaufsanzeige aufscheinen. Die betreffende Website ist mittlerweile nicht mehr online.
Für Fake-Fahrzeugprüfbericht bezahlt? Das können Sie jetzt tun!
Auf dem untersuchten Portal war der vermeintliche Fahrzeugbericht per Kreditkarte zu bezahlen. Entsprechend ist der jeweilige Anbieter die erste Anlaufstation:
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Kontaktieren Sie den Kreditkartenanbieter und erklären Sie die Situation! Die Expert/innen wissen, ob eine Rückbuchung möglich ist oder ob die Karte gar gesperrt werden muss.
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Behalten Sie die Abrechnung in nächster Zeit besonders gut im Auge! Sollten Sie Unregelmäßigkeiten entdecken, wenden Sie sich umgehend an den Anbieter!
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Bleiben Sie wachsam! Die Kriminellen verfügen über Ihre Kontaktdaten und könnten versuchen, sich mit einer neuen Masche bei Ihnen zu melden!
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Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei!
Für den Inhalt verantwortlich: Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT)