Betrügerische Jobangebote: Wie Haargummi, Kugelschreiber & Co. in die Falle locken
Die Masche ist nicht neu, die Tarnung schon. Werbeanzeigen für einfache Home-Office-Tätigkeiten mit guter Bezahlung sollen Interesse wecken. Nach der Registrierung auf einer Plattform wird den Opfern dort aber das Geld aus der Tasche gezogen. Aktuell kommen besonders häufig Kugelschreibermontage, Perlensortierung oder Haargummiverarbeitung als Köder zum Einsatz.
Plattformen mit angeblichen Home-Office-Jobs werden laufend gemeldet. Lag früher der thematische Fokus auf App-, Produkt- oder Hotelbewertungen, ist seit einiger Zeit ein neuer Ansatz zu beobachten. Aktuell geht es vermehrt um kleinere Handarbeiten, die problemlos in den eigenen vier Wänden durchgeführt werden können. Beispielhaft für derartige Fake-Portale behandelt dieser Artikel die Plattform „HomeWork Österreich“, die unter der Domain eavto.shop erreichbar ist.
Die zur Auswahl stehenden Pakete klingen dabei durchaus verlockend. Aktuell verfügbare Stellen:
- Kugelschreiber-Minen Montage: 2.000 Stück, 30 Cent pro Exemplar
- Perlen Sortieren & Auffädeln: 1.000 Stränge, 30 Cent pro Exemplar
- Haargummi-Verarbeitung: 1.000 Stück, 50 Cent pro Exemplar
- Kartonverpackung: 1.000 Stück, 50 Cent pro Exemplar
Die Mitarbeiter/innen bekommen das Material nach Hause geliefert und sollen die Artikel dort zusammenbauen. Nach Fertigstellung holt ein firmeneigener Kurier die Ware ab. Fällt die Qualitätsprüfung positiv aus, wird die vereinbarte Bezahlung direkt aufs Konto überwiesen. Die Auftraggeber versprechen:
Keine Erfahrung nötig – nur Ihre Hände, Ihre Zeit und Ihr Küchentisch. Alle Logistikkosten werden vom Hersteller übernommen.
Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es auch! Hinter diesem Angebot versteckt sich nichts anderes als ein altbekannter Betrugsversuch.
Die vorgestellten Portale tauchen unter verschiedensten Namen auf – dazu zählen zum Beispiel „HomeWork Österreich“ oder „aunhandmade“, “tzhandmade.com”. Der Ablauf der Betrugsmasche ist auf allen Webseiten identisch.
Jobbetrug: Social-Media-Werbung als Köder
Die Kriminellen platzieren Werbeanzeigen für ihre Fake-Unternehmen auf Social-Media-Portalen wie TikTok, Facebook etc. Wer draufklickt, muss seinen Namen und Kontaktdaten angeben. Wenig später melden sich Vertreter/innen des angeblichen Unternehmens via Messengerdienst beim Opfer.
In der daraufhin entstehenden Konversation werden alle offenen Fragen der Bewerber/innen beantwortet. Oder zumindest wird so getan. Der Redaktion liegt ein umfassendes Chatprotokoll mit einer angeblichen Vertreterin vor.
Jobbetrug: So läuft die Kommunikation ab
Wer sich auf der Suche nach einem einfachen Nebenjob an das vermeintliche Unternehmen wendet, wird kurz darauf von einer vermeintlichen Mitarbeiterin kontaktiert, mit der Bitte um Registrierung auf einer Plattform. Es folgen die Frage nach dem gewünschten Projekt und detaillierte Infos zum Ablauf. Auf die Frage nach den Unternehmensdaten übermitteln die Kriminellen lediglich den Standort eines Amazon-Versandlagers in Kärnten.
Sobald alles erledigt ist, wird das Opfer zu einer Messenger-Gruppe hinzugefügt. Dort ist die “Community” versammelt, die für das vermeintliche Unternehmen arbeitet. In der Gruppe müssen die Opfer zunächst ihre Adressangaben überprüfen und – wenn alles richtig ist – mit „1“ bestätigen. Da im Chat ein reger Austausch unter allen Mitgliedern herrscht, entsteht das Bild eines legitimen Nebenjobs.
HomeWork, aunhandmade und Co.: Die konkrete Gefahr
Nach Abschluss der Registrierung und Bestellung des ersten Materialpakets, ändert sich die Aufgabenstellung unvermittelt. Die Betrugsmasche biegt in bekannte Pfade ab.
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Die Mitarbeiter/innen sollen nun plötzlich andere Produkte bewerten, Postings liken und Testkäufe durchführen.
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Dafür bekommen sie bestimmte Projekte zugewiesen.
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Durch die Abarbeitung dieser Projekte wächst ihr virtuelles Guthaben an.
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Für die Zuteilung neuer Aufgaben müssen sie allerdings bezahlen.
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Die Wertigkeit der Aufgaben steigt mit der Zeit. Irgendwann liegt sie dann deutlich über dem angesammelten Guthaben.
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Eine Bearbeitung ist allerdings nur möglich, wenn das Konto nicht im Minus ist.
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Um also die zugeteilte Aufgabe zu übernehmen, muss das Opfer das Konto zunächst ausgleichen – mit seinem eigenen Geld.
Wer die ganze Sache beenden und sich sein Geld auszahlen lassen möchte, schaut durch die Finger. Eine Auszahlung sei erst nach Bearbeitung des letzten offenen Aufgabenpakets möglich.
Tatsächlich kommt es nie zu einer Auszahlung. Die Kriminellen erfinden immer neue Abgaben, Steuern, Strafzahlungen etc., die angeblich noch offen sind. Der Betrug endet erst, wenn das Opfer kein Geld mehr hat oder die Masche selbst durchschaut und die Notbremse zieht.
Deutliche Betrugshinweise. Die angeblichen Heimarbeits-Portale weisen zahlreiche betrugstypische Warnsignale auf. Es existiert kein Impressum, Countdowns („nur noch xy Plätze verfügbar…“) sollen für Stress sorgen, die Fotos sind KI-generiert.
Betrügerische Jobangebote: Das können Sie jetzt tun
Haben Sie eines der beschriebenen Jobangebote angenommen und wollen nun endlich an ihre Auszahlung kommen, haben wir leider schlechte Nachrichten: Das Geld ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weg!
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Brechen Sie den Kontakt sofort ab!
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Blockieren Sie alle bisherigen Ansprechpartner/innen und reagieren Sie auf keine weiteren Kontaktaufnahmen!
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Überweisen Sie kein Geld mehr! Ganz egal, welche Versprechungen auch gemacht werden.
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Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei!
Für den Inhalt verantwortlich: Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT)