Alias Accounts – Wie man erkennt, wer dahintersteckt

Mit den sozialen Medien sind auch Fake Profile und Social Bots ein Teil unseres digitalen Alltags geworden. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese Accounts erkennen und richtig darauf reagieren können.

Smartphone mit zahlreichen Apps
Fake Profile und Social Bots sind Teil unseres digitalen Alltages geworden. Foto: ©Production Perig - stock.adobe.com

Dubiose Nachrichtenanfragen, zweifelhafte Produktbewertungen oder fragwürdige Kommentare zu politischen Themen sind keine Seltenheit in Sozialen Netzwerken. Besonders während der Corona-Pandemie fielen viele Benutzerkonten durch die Verbreitung von Desinformationen und radikalen Meinungen auf. Obwohl der Name und das Profilbild echt wirken, steckt hinter einem sogenannten „Alias Account“ entweder keine reale Person oder eine Userin oder ein User, die oder der eine erfundene Identität angenommen hat. Durch ihr glaubwürdiges Auftreten sind letztere meist sogar noch schädlicher als computergenerierte Bots, da der Fake schwerer erkennbar ist.

Der Kampf gegen Fake-Profile

Es gibt viele unterschiedliche Beweggründe dafür, einen Alias Account auf Social Media manuell zu erstellen, und nicht alle bedeuten einen bösen Hintergedanken. Eine besonders häufige Motivation ist das Auftreten in der Öffentlichkeit: Potenzielle Arbeitgeber sehen beim Bewerber-Check die seriöse Seite der Userin oder des Users, und mit den Freunden können auf dem eigentlichen (Zweit-)Profil die Fotos der lustigen Party-Nacht geteilt werden. Fake-Profile, die aus diesen Gründen angelegt werden, bedeuten nicht unbedingt eine gesamtgesellschaftliche Gefahr. Politisch motivierte Alias Accounts oder jene zum Datenklau hingegen schon. 

Bewegen sich Nutzerinnen und Nutzer mit falschen Konten im Internet, die ihre wahre Identität verschleiern, sinkt in jedem Fall die Hemmschwelle. Sozialschädliches und rechtswidriges Verhalten wie Hasspostings, das Aufhetzen einzelner Gruppen oder der gesamten Bevölkerung gegen die Regierung, Minderheiten oder Andersdenkende wird durch Pseudonyme begünstigt. Das Verbot solcher Accounts war daher von der Social-Media-Plattform Facebook als Präventivmaßnahme gedacht. Obwohl die Klarnamenpflicht des Unternehmens die Erstellung von Pseudo-Accounts untersagt, ist dennoch etwa jedes zehnte Nutzerkonto – also rund 275 Millionen der aktiven Profile – eine Fälschung. Nach eigenen Angaben löschte das Unternehmen Ende 2020 erneut 1,3 Milliarden Fake-Profile. 

Die Verbreitung von Alias Accounts auf Twitter sowie deren Eindämmung gestaltet sich hingegen deutlich schwieriger, da das Unternehmen Parodieaccounts (die klar gekennzeichnet sein müssen) erlaubt. Auch Instagram verlangt von seinen Userinnen und Usern keine Offenlegung der Identität. Die Tatsache, dass auf dem Bild-Netzwerk jeder Username nur ein einziges Mal gewählt werden kann, zwingt Nutzerinnen und Nutzer ohnehin dazu, kreative Accountnamen zu verwenden – macht jedoch das Aufdecken von Fake oder Alias Accounts ungemein schwieriger. 

Alias Accounts erkennen

Auch wenn heute immer noch unter anderem die oben aufgezählten Hürden verhindern, dass soziale Medien Fake-Profile in den Griff bekommen, machten die Unternehmen in den Jahren seit der Gründung von Facebook und Co. zumindest deutliche Fortschritte darin, automatisierte Accounts aufzuspüren. Solche sogenannten Social Bots oder Social Networking Bots imitieren menschliches Verhalten und dienen meist dazu, andere reale Userinnen und User etwa im Hinblick auf ihr Kaufverhalten oder ihre politische Meinung zu manipulieren. Forscher der Carnegie Mellon University in den USA fanden heraus, dass beinahe die Hälfte aller Twitter-Accounts, die Desinformationen zur Corona-Pandemie verbreiteten, computergesteuert waren. Generell begünstigt gerade diese Nachrichten-Plattform mit der geringen Komplexität ihrer auf 280 Zeichen begrenzten Tweets die Arbeit der Bots. Mithilfe einer Software beziehungsweise eines lernfähigen Algorithmus legen sich Social-Media-Unternehmen daher auf die Lauer, um verdächtige Meldungen und ihre Verfasser-Konten zu enttarnen und zu sperren. 

Manuell erstellte Alias Accounts – also von einem realen Menschen auf einem internetfähigen Gerät angelegt – verwenden jedoch nicht die gleichen verräterischen Verhaltensweisen wie die Computer-Pendants. Ihre Handschrift muss anhand anderer Hinweise identifiziert werden, etwa wenn von diesem Account an mehrere, fremde Personen dieselbe Nachricht versendet wird. Die für ihre Enttarnung bislang genutzten Verfahren sind jedoch bei Weitem nicht so effizient und vielversprechend, wie sie sein müssten, um die Flut an Fake-Profilen auf Sozialen Netzwerken einzudämmen. Eine erfolgversprechende Methode wäre, detailliertere persönliche Angaben bereits bei der Kontoerstellung abzufragen. Facebook machte deshalb vor einigen Jahren die Angabe der Telefonnummer und der E-Mail-Adresse bei der Registrierung verpflichtend. Mit Einweg-E-Mail-Adressen oder Einweg-Telefonnummern kann aber auch diese Hürde zum Fake-Profil leicht umgangen werden. 

Um potenziellen (realen) Nutzerinnen und Nutzern den Zugang zum Sozialen Netzwerk nicht unnötig zu erschweren – immerhin leben Facebook, Instagram und Co. von einer florierenden Zahl an Userinnen und Usern – wurden jedoch bislang keine weiteren Verschärfungen der Anmelderegelungen erwirkt. Für viele der Sozialen Netzwerke wie Twitter oder Instagram besteht in der Anonymität und der damit einhergehenden reduzierten Hemmschwelle außerdem der Reiz. Jene Unternehmen setzen stattdessen auf eine effizientere und kostengünstigere Methode – der Mithilfe anderer Netzwerk-Benutzer, die fragwürdige Konten markieren und dem Unternehmen melden. 
Aber auch regelmäßigen Userinnen und Usern fällt es oft nicht leicht, Alias Accounts zu identifizieren. Hier sind einige Tipps, wie es dennoch gelingt.


Hinweis 1: Profil ohne Bild
Oft sind Fake-Accounts daran erkennbar, dass sie weder Profilbild noch Freunde haben und erst vor kurzer Zeit erstellt wurden. Natürlich könnte dies auch bei einer realen Person der Fall sein, aber üblicherweise ist es ein Hinweis auf einen Alias Account. Umgekehrt gibt es natürlich auch gefakte Profile, die täuschend echt aussehen.

Hinweis 2: Username ohne Treffer
Googeln Sie den Namen des angeblichen Profil-Besitzers. Wenn Sie schon einmal nach Ihrem eigenen Namen im Internet gesucht haben, ist Ihnen bestimmt aufgefallen, dass die Suche viele verschiedene Treffer ergibt, nicht nur ihr Social-Media-Konto. So oder ähnlich sollte das auch bei anderen realen Personen sein. Findet man den Namen gar nicht, oder passen die Treffer nicht zum Account, ist das eher bedenklich.

Hinweis 3: Unechtes Profilbild
Die Bilder auf Fake-Profilen sind zumeist geklaut und demnach oft von schlechter Qualität. Mit der Google-Bildersuche können Sie nachforschen, ob die Fotos des betreffenden Profils bereits woanders auftauchen. 

Hinweis 4: Verdächtige Aktivitäten
Social-Media-Userinnen und -User verwenden ihren Account zumeist regelmäßig. Das muss nicht bedeuten, dass viel gepostet wird. Geburtstagsglückwünsche, Likes der Freunde oder ähnliche Kleinigkeiten deuten auf einen echten Menschen hin. Werden hingegen hauptsächlich Beiträge anderer Userinnen oder User oder Links geteilt, sieht das verdächtig nach einem falschen Nutzerkonto aus.

Hinweis 5: Keine Interaktionen, keine Freunde oder Follower
Interagiert der Account nie mit anderen Accounts, wurde nirgends eine „menschliche“ Unterhaltungen geführt und ist sein Verhalten eher monoton oder widersprüchlich, ist es ebenfalls gut möglich, dass Sie einen Fake Account vor sich haben.

Die tatsächlichen Ersteller von Bots oder Alias Accounts sind nur sehr schwer greifbar, dafür braucht es die Hilfe der Polizei oder der Seitenbetreiber. Sind Sie jedoch der Meinung, einen Fake- oder Alias-Account entlarvt zu haben, machen Sie einen Screenshot als Beweis und informieren Sie mithilfe der Melde-Funktion die Betreiber der Social-Media-Plattform. 
 

Zum Schluss: Geben Sie auf gar keinen Fall persönliche Informationen oder Kontodaten an den Fake-Account weiter und nehmen Sie seine Freundschaftsanfrage nicht an. Und achten Sie generell darauf, wem Sie folgen: Verifizierte Accounts werden auf Facebook, Instagram, Twitter und Co. durch ein blaues Häkchen gekennzeichnet.

Letzte Aktualisierung: 20. Juli 2021

Für den Inhalt verantwortlich: A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria