ASFINAG-Phishing: Über eine Fake-Mail an die Kreditkartendaten
Erwischt beim Fahren ohne Vignette? Mit der Zahlung einer Ersatzmaut in Höhe von 12,36 Euro ist die Angelegenheit aus der Welt geschafft? Was auf den ersten Blick aussieht wie eine echte Benachrichtigung der ASFINAG, ist in Wahrheit eine neue Phishing-Welle.
Betrugsversuche im Namen der ASFINAG sind kein neues Phänomen. Fake-Portale für den Vignetten-Kauf werden laufend gemeldet, mit Spitzen zu den typischen Urlaubszeiten. Aktuell ist allerdings eine neue Masche zu beobachten, für welche die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-AG als Deckmantel herhalten muss. Der Unterschied zu den erwähnten Fake-Portalen: Die Kriminellen wenden sich mit Phishing-Mails direkt an ihre Opfer. Im Visier haben sie persönliche Informationen sowie Kreditkartendaten. Und so soll das gelingen:
ASFINAG-Phishing: Vorwürfe per E-Mail
Der erste Akt der Betrugsmasche ist eine E-Mail-Nachricht, die aus heiterem Himmel im Postfach des potenziellen Opfers landet. Darin wird behauptet, dass die „automatisierten Kontrollsysteme“ kürzlich festgestellt hätten, für „Ihr befahrenes Fahrzeug“ sei „zum Prüfungszeitpunkt keine ordnungsgemäße Digitale Vignette“ gelöst gewesen. Oder kurz zusammengefasst: Erwischt beim Fahren ohne Vignette!
Man möchte sich aber kulant zeigen und räumt deshalb die Möglichkeit zur nachträglichen Zahlung einer sogenannten „Ersatzmaut“ ein. Es gehe darum, die Sache „außergerichtlich aus der Welt zu schaffen“.
Wie gut, dass die E-Mail einen Link enthält, der direkt zum Zahlungsportal führt. Für alle jene, die noch zaudern, liefert die Nachricht ein letztes und sehr überzeugendes Argument. Wer nämlich nicht bezahlt, wird bei der „zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde“ angezeigt. Und das bringt wiederum „zwingend eine Geldstrafe zwischen 120,00 € und 3.000,00 € sowie weitere behördliche Kosten mit sich“.
Was an dieser Nachricht stimmt? Nichts! Vielmehr ist sie eine alte Phishing-Falle in neuem Gewand. Es geht um das Abgreifen von Kontaktinformationen und Kreditkartendaten.
Vorgang: Nachweis der Streckenmaut fehlt
Sehr geehrte/r Fahrzeughalter/in,
unsere automatisierten Kontrollsysteme haben bei einer kürzlich erfolgten Erfassung auf den Bundesautobahnen in Österreich dokumentiert, dass zum Prüfzeitpunkt keine ordnungsgemäße Digitale Vignette für Ihr befahrenes Fahrzeug gelöst war.
Das Nutzen des vignettenpflichtigen Netzes ohne vorherige Mautentrichtung gilt nach den aktuellen österreichischen Verkehrsvorschriften als verwaltungsrechtliches Delikt.
Zu leistende Ersatzmaut: 12,36 €
Zahlbar: Sofort nach Erhalt dieser Mitteilung
Entsprechend den ASFINAG-Richtlinien gewähren wir Ihnen eine letzte kulante Frist, dieses Vergehen durch die rasche Begleichung einer Ausgleichszahlung in Höhe von 12,36 € außergerichtlich aus der Welt zu schaffen.
Für die schnelle Abwicklung und Einsicht in den Vorfall nutzen Sie bitte den folgenden gesicherten Link:
Direkt zur Falldokumentation & Zahlungsschritt
Juristischer Hinweis:
Begleichen Sie diese Ersatzmaut nicht rechtzeitig, erfolgt eine automatische Anzeige bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde. Ein solches Verwaltungsverfahren bringt zwingend eine Geldstrafe zwischen 120,00 € und 3.000,00 € sowie weitere behördliche Kosten mit sich.
Mit freundlichen Grüßen,
ASFINAG Forderungsabteilung
ASFINAG-Phishing: Woran die Falle zu erkennen ist
Die vorgestellte Phishing-Falle wurde der Redaktion in den letzten Tagen mehrfach gemeldet. Der Ablauf ist dabei immer gleich, der Text der Betrugs-Mail ebenfalls. Nur im Betreff gibt es Unterschiede. Bisher bekannte Varianten:
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Aktenzeichen: Verwaltungsübertretung (Fehlende Vignette)
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Dringende Mitteilung zu Ihrer aktuellen Mautkontrolle
Die Nachricht selbst ist optisch ansprechend gestaltet, nutzt das offizielle ASFINAG-Logo und wirkt auf den ersten Blick seriös. Bei genauerem Hinsehen wird aber rasch klar, dass man es mit einer Betrugsfalle zu tun hat. Die wichtigsten Hinweise:
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Absender: Zwar scheint als Absender das „ASFINAG Forderungsmanagement“ oder „ASFINAG System“ auf, allerdings sind das nur frei wählbare Namen des Mailkontoinhabers. Die tatsächlichen Absenderadressen haben mit der ASFINAG nichts zu tun.
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Portal: Es gibt kein Portal für die Bezahlung einer verhängten Ersatzmaut. Diese muss per Direktüberweisung beglichen werden.
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Adresse: Der Link in der Nachricht leitet auf ein Portal mit der Domain „autobahnen-asfinag.eu“ weiter. Diese wurde erst am 10. April 2026 registriert und hat nichts mit der offiziellen Adresse asfinag.at zu tun.
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E-Mail: Die ASFINAG versendet keine E-Mail-Nachrichten, wenn jemand ohne Vignette auf Österreichs Autobahnen oder Schnellstraßen erwischt wurde. Die Aufforderung zur Zahlung der Ersatzmaut wird postalisch zugestellt.
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Ersatzmaut: Die in der E-Mail angekündigte Ersatzmaut von 12,36 € liegt weit unter den tatsächlichen Beträgen. Seit Jahresbeginn werden für einen PKW 200 € fällig und für ein Motorrad 100 €. Für LKW und Busse beträgt sie entweder 200 oder 270 €.
Warum so wenig? Die Kriminellen setzen in ihrer Nachricht die Ersatzmaut deshalb so niedrig an, weil sie damit einen Impuls bei den potenziellen Opfern auslösen wollen. Der geringe Betrag verleitet eher zur Zahlung der Strafe. Damit die Sache aus der Welt ist. Tatsächlich wird es so aber erst richtig teuer!
Die Phishing-Falle hat zugeschnappt: Das können Sie jetzt tun
Hat die Falle funktioniert, sollten Opfer so schnell wie möglich agieren, um Schäden zu minimieren.
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Kontaktieren Sie umgehend den Kreditkartenanbieter und schildern Sie die Situation! Eventuell ist eine Sperre der Karte nötig.
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Beobachten Sie die Abrechnung in nächster Zeit besonders genau. Sollten Sie ungewohnte Bewegungen entdecken, wenden Sie sich sofort an den Kreditkartenanbieter!
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Bleiben Sie wachsam! Da die Kriminellen über Ihre Kontaktinformationen verfügen, werden sie sich sehr wahrscheinlich mit einer anderen Masche an Sie wenden.
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Dokumentieren Sie die Falle, fertigen Sie Screenshots an und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei!
Für den Inhalt verantwortlich: Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT)