29.05.2018 Mindestalter: Ab wann dürfen Kinder WhatsApp, Instagram & Co. nutzen?

In Österreich beträgt das Mindestalter zur Nutzung Sozialer Netzwerke laut Gesetz 14 Jahre – die Nutzungsbedingungen der einzelnen Plattformen sagen aber oft etwas anderes. In Österreich beträgt das Mindestalter zur Nutzung Sozialer Netzwerke laut Gesetz 14 Jahre – die Nutzungsbedingungen der einzelnen Plattformen sagen aber oft etwas anderes. Bild: Saferinternet.at, lizenziert unter CC BY-NC 3.0 AT

Heute tummeln sich oft schon Kinder im Volksschulalter auf WhatsApp, Instagram & Co. Doch ab wann dürfen sie diese eigentlich offiziell verwenden?

Heute tummeln sich oft schon Kinder im Volksschulalter auf WhatsApp, Instagram & Co. Doch ab wann dürfen sie diese eigentlich offiziell verwenden? Wir werfen einen Blick auf das Mindestalter für die beliebtesten Sozialen Netzwerke.

Viele Eltern stellen sich die Frage: Ab welchem Alter darf sich mein Kind eigentlich offiziell in den gängigen Sozialen Netzwerken anmelden? Mache ich mich strafbar, wenn ich mein Kind auch schon jünger auf WhatsApp & Co. lasse? 

Warum gibt es ein Mindestalter für WhatsApp, Facebook & Co.?

Die meisten US-amerikanischen Social Media-Anbieter geben von jeher ein Mindestalter von 13 Jahren vor, da sie dem Children's Online Privacy Protection Act unterliegen. Dieser sieht vor, dass in den USA grundsätzlich keine Daten von Personen unter 13 Jahren gesammelt werden dürfen.

Für Nutzer/innen in Europa wird das Mindestalter allerdings durch die Datenschutz-Grundverordnung, die mit 25.5.2018 in Kraft tritt, geregelt. Dieser zufolge müssen alle Nutzer/innen ausdrücklich zustimmen, wenn ihre personenbezogenen Daten (z. B. Name, Geburtsdatum, Wohnort) an Soziale Netzwerke übermittelt und von diesen verarbeitet werden.

Die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung werden in Österreich im Datenschutz-Anpassungsgesetz 2018 geregelt – für österreichische User/innen beträgt das Mindestalter zur Nutzung Sozialer Netzwerke damit 14 Jahre.

Das Mindestalter, das in den Nutzungsbedingungen der Sozialen Netzwerke angegeben ist (siehe unten), weicht teilweise vom Mindestalter im österreichischen Datenschutzgesetz ab. So darf etwa Facebook ab 13 Jahren genutzt werden, österreichische Nutzer/innen müssen aber mindestens 14 Jahre alt sein. Es ist davon auszugehen, dass Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren Facebook nutzen dürfen, wenn ihre Eltern damit einverstanden sind. 

Was sagen die Nutzungsbedingungen der Sozialen Netzwerke?

Aufgrund der neuen Datenschutz-Grundverordnung haben die Anbieter von Sozialen Netzwerken ihre Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien angepasst. Diesen müssen Nutzer/innen neu zustimmen, um die Dienste weiter nutzen zu können. Das steht in den Nutzungsbedingungen drin:

  • Facebook: User/innen müssen laut Facebook-Nutzungsbedingungen wie gehabt mindestens 13 Jahre alt sein. Ausnahme: Sensible Daten wie z. B. religiöse Ansichten, sexuelle Orientierung oder politische Ansichten gelten als besonders schützenswert – bei unter 16-Jährigen müssen die Eltern solche Angaben freigeben. Auch müssen Eltern zustimmen, dass ihr Sprössling auf Facebook personalisierte Werbung angezeigt bekommt. Wie das in der Praxis genau funktioniert, lässt das Soziale Netzwerk derzeit noch offen.

  • Instagram: Auch hier bleibt gemäß Instagram-Nutzungsbedingungen das Mindestalter bei 13 Jahren. Die App fragt neuerdings das Alter von Nutzer/innen ab, wenn das Instagram-Konto nicht mit Facebook verknüpft ist. Es gibt auch noch eine weitere Verzahnung mit Facebook: Wer Facebooks neuen Nutzungsbedingungen zustimmt, akzeptiert bei verknüpften Konten automatisch auch die neuen Instagram-Bedingungen.

  • WhatsApp: Der Messenger schraubt in seinen WhatsApp-Nutzungsbedingungen das Mindestalter für europäische Nutzer/innen auf 16 Jahre hoch. Künftig soll es auch für jüngere Kinder ab 13 Jahren eine Möglichkeit geben, WhatsApp mit Zustimmung ihrer Eltern zu nutzen – Details dazu bleiben abzuwarten.

  • YouTube: Laut Youtube-Nutzungsbedingungen müssen Nutzer/innen mindestens so alt sein, wie dies vom Staat, in dem sie wohnen, vorgegeben wird – für Österreich bedeutet das also ein Mindestalter von 14 Jahren. Für jüngere Kinder können Eltern ein Benutzerkonto auf YouTube Kids einrichten.

  • Snapchat: Die Foto-Sharing-App verlangt in ihren Bedingungen ein Mindestalter von 13 Jahren.


Wie überprüfen Online-Anbieter das Alter ihrer Nutzer/innen?

In der neuen Datenschutz-Grundverordnung ist festgehalten, dass die Überprüfung des Alters nicht unverhältnismäßig aufwendig sein darf. Die Betreiber/innen von Sozialen Netzwerken sind also nicht zur Ausweiskontrolle verpflichtet. Das Alter der Nutzer/innen wird daher nur durch eigenständige Angabe des Geburtstages oder durch Häkchensetzung (z. B. „Ja, ich bin über 13 Jahre alt“) überprüft – da kann natürlich leicht gemogelt werden. In vielen Fällen ist noch offen, wie eine gut funktionierende Altersverifikation umgesetzt wird. 

Was passiert, wenn sich Kinder unter 13 Jahren anmelden?


Das vorgegebene Mindestalter hat in der Praxis wenig Bedeutung, da sich auch unter 13-Jährige in der Regel problemlos in Sozialen Netzwerken anmelden können (z. B. durch falsche Altersangaben).

 

Müssen Eltern mit rechtlichen Konsequenzen rechnen?


Eine Anmeldung bei einem Gratis-Dienst unter falscher Altersangabe ist ein Vergehen, das keine rechtlichen Konsequenzen nach sich zieht. Das hat mehrere Gründe:

  • Da bei kostenlosen Anbietern kein Schädigungsvorsatz vorliegt, kann davon ausgegangen werden, dass die Angabe eines falschen Geburtsdatums auch nicht strafrechtlich (z. B. im Sinne von „Betrug“) relevant ist.

  • Es ist weiters anzunehmen, dass durch die Nutzung eines kostenlosen Sozialen Netzwerkes in der Regel keinerlei bezifferbarer Schaden für den Anbieter des Dienstes (Facebook, Twitter, Musical.ly etc.) entsteht. Damit können auch keine Schadenersatzforderungen gestellt werden.

  • Wenn das Kind das vom Anbieter vorgegebene Mindestalter nicht erreicht, besteht kein gültiger Vertrag. Das bedeutet, dass auch etwaige vertraglich festgelegte Konsequenzen (z. B. eine „Strafe“ bei falschen Angaben) nicht zum Tragen kommen. Der Grund, warum kein gültiger Vertrag vorliegt, lässt sich aber auch noch durch die fehlende Geschäftsfähigkeit nach österreichischem Recht erklären.

  • Dazu kommt: Kinder unter 14 Jahren sind in Österreich ohnehin nicht deliktsfähig. Sie selbst können also prinzipiell für ein Vergehen nicht verantwortlich gemacht werden.

  • Auch wenn Eltern davon wissen, dass sich ihr Kind unter falschem Geburtsdatum bei einem kostenlosen Online-Dienst registriert hat, ist das für die Eltern nicht strafbar. Sie haften also nicht für ihre Kinder.


Es sind bisher keine Fälle dieser Art bekannt, in denen Eltern oder ihre Kinder von US-amerikanischen Anbietern abgestraft wurden.

Abgesehen von den rechtlichen Aspekten ist zu bedenken, dass die Plattform-Anbieter großes Interesse daran haben, möglichst viele aktive Nutzer/innen auf ihren Kanälen zu haben. Nicht zuletzt deshalb hat eine Anmeldung von Kindern unter 13 Jahren in der Praxis keine Auswirkungen.

Soll ich meinem Kind WhatsApp, Facebook & Co. erlauben?

Wenn Ihr Kind unter 13 Jahren alt ist und einen eigenen Account auf Facebook, Instagram oder Musical.ly anlegen möchte, haben wir folgende Tipps für Sie:

  • Reden statt verbieten. Reagieren Sie nicht automatisch mit einem Verbot – lernen Sie die App bzw. das Soziale Netzwerk kennen und erkunden Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die dort gebotenen Möglichkeiten. Lassen Sie sich erklären, wie Ihr Kind das Netzwerk nutzen möchte und warum dieses so wichtig ist.

  • Regeln vereinbaren. Legen Sie gemeinsam verbindliche Regeln fest – etwa, dass Ihr Kind keine persönlichen Daten (z. B. Geburtsdatum, Wohnort, Schule) preisgeben, keine Kontaktanfragen von Fremden annehmen oder keine Fotos von sich posten darf. Unsere Privatsphäre-Leitfäden helfen bei den wichtigsten Datenschutzeinstellungen.

  • Risiken ansprechen. Reden Sie mit Ihrem Kind über mögliche Risiken, wie z. B. Cyber-Mobbing, Grooming, Sexting und Kettenbriefe, und wie man diese vermeiden kann.

  • Unterstützen.  Ermutigen Sie Ihr Kind, zu Ihnen zu kommen, wenn ihm etwas auf WhatsApp & Co. „komisch“ vorkommt oder es schikaniert wird. Drohen Sie nicht gleich mit Verboten, sondern fangen Sie Ihr Kind in problematischen Situationen auf und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.

Weiterführende Links:

Datum der Veröffentlichung: 29.05.2018

Für den Inhalt verantwortlich:
  • Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT)