14.01.2015 Unsere Daten im Netz: So arbeiten Adresshändler

Der Adresshandel mit Daten aus dem Internet floriert – jeder, der schon einmal ein Zeitungsabonnement abgeschlossen, eine Online-Bestellung aufgegeben oder bei einem Gewinnspiel mitgemacht hat, kann betroffen sein. Der US-amerikanische Datenhändler Acxiom soll beispielsweise 3.000 einzelne Eigenschaften von mehr als 700 Millionen Menschen gesammelt haben – auch in Europa. Laut einer Studie von Wolfie Christl kosten Datensätze mit Adressen der letzten sechs Monate 150 Euro pro Tausend Stück, über ein Jahr alte Adressen 140 Euro.

Personalisierte Werbung – per E-Mail, Post oder Telefon – ist eine mögliche Folge. Wird zum Beispiel Bier an einer Supermarkt-Kasse mit Kreditkarte und Angabe der Postleitzahl erworben, kann auf der persönlichen Facebook-Seite mitunter am gleichen Tag entsprechende Bierwerbung angezeigt werden. Werden die Daten mit Informationen von Wirtschaftsauskunftsdateien und Inkassoinstituten verknüpft, sind auch schlechtere Bedingungen – für beispielsweise Bankkredite oder Versicherungen – möglich. Unsere Daten werden dazu verwendet, uns einzuschätzen, Zahlenwerte zu berechnen und so Aussagen zu erhalten, wie riskant oder profitabel wir sind. Weiters werden werberelevante Eigenschaften wie Ökologiebewusstsein, Spendenaffinität, Beruf oder Hochschulabschluss erhoben. Die Auswirkungen können jahrzehntelang spürbar sein.

Konkret funktioniert das so: Bestellt man beispielsweise beim Erotikversand „Beate Uhse“, tritt dem „RTL Club“ bei oder schließt ein Abonnement der Wochenzeitung „Die Zeit“ ab, stimmt man zu, dass die eigenen Daten von – in diesem Fall – der arvato AG zu Werbezwecken verwendet werden dürfen. Die arvato AG ist Teil der Bertelsmanngruppe und hat mit AZ Direkt ein Tochterunternehmen, das zu den größten Adresshändlern im deutschsprachigen Raum gehört. Der Datenpool von AZ Direkt wird von vielen Unternehmen zum Dirketmarketing herangezogen. Kunden sind beispielsweise der Handel, die Versicherungs- und Finanzbranche und die Autoindustrie.

Für die Betroffenen sind die Hintergründe wie ihre Daten zusammengeführt und wie mit diesen gehandelt wird, nicht nachvollziehbar. Tatsächlich etwas dagegen tun kann man wenig. In Österreich kann man sich in die sogenannte Robinson-Liste eintragen lassen, um keine unerwünschte persönliche adressierte Werbung mehr zu bekommen. Darüber hinaus kann an jedes Unternehmen ein Auskunftsbegehren geschickt werden. Die Betriebe müssen dann innerhalb von acht Wochen eine Aufstellung der gespeicherten personenbezogenen Daten schicken. Einmal im Jahr ist dies kostenlos möglich.

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Datum der Veröffentlichung: 14.01.2015

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  • A-SIT Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria